Beitrag Mensch&Tier

Foto: Institut für soziales Lernen mit Tieren

Montag, 22. Juni 2026

„Plattform für Austausch und Vernetzung“

Ingrid Stephan hat mit ihrem Institut für soziales Lernen mit Tieren Pionierarbeit betrieben: Vor 30 Jahren gründete sie die erste deutsche Einrichtung, die mit ihren Klient:innen tiergestützt arbeitet. Seit 25 Jahren bietet sie die damals erste Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Interventionen an. Seit 20 Jahren gibt sie die Fachzeitschrift „tiergestützte“ heraus. Als krönenden Abschluss dieses Jubiläumsjahres bringt die Sozialpädagogin im November die wichtigsten Akteure der tiergestützten Interventionen beim Kongress „Für alle Felle – aus Erfahrung wird Evidenz“ zusammen.

Frau Stephan, nach zehn Jahren veranstalten Sie erstmals wieder einen großen Kongress. Was sind die Inhalte und Ziele? 

Wir möchten eine Plattform bieten, auf der sich Fachkräfte vernetzen und austauschen können. Führende Expert:innen stellen die neuesten Forschungsergebnisse vor, Praktiker:innen zeigen ihre Projekte und alle können von neuen Erkenntnissen profitieren. So wollen wir Forschung und Praxis zusammenbringen, den Wissenstransfer stärken, neue Ansätze diskutieren und letztlich die Sichtbarkeit von tiergestützten Interventionen stärken – ein Feld, das seit vielen Jahren beachtliche Erfolge hervorbringt, aber dafür nicht die angemessene gesellschaftliche Anerkennung erhält.

Welche Entwicklungen würden Sie sich für die nächsten zehn Jahre im Feld der tiergestützten Interventionen wünschen?     

Da hätte ich viele Wünsche: Dass es vielfältige Angebote in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Einrichtungen gibt. Dass die Veterinärämter bundesweit einheitliche Standards haben, um den Sachkundenachweis nach § 11 des Tierschutzgesetzes zu erteilen. Dass die tiergestützte Intervention an Universitäten, aber auch in anderen Institutionen als professionelles Fachgebiet anerkannt wird. Dass Forschung und Praxis fortlaufend verknüpft sind, um die Wirksamkeit unserer Arbeit fundiert zu belegen. Dass Kostenträger wie Krankenkassen die tiergestützte Intervention als das anerkennen, was sie ist: ein wirksames Angebot im therapeutischen und präventiven Kontext. Bei allem muss das Tierwohl die zentrale Grundlage sein. Das heißt, Tiere werden nicht „genutzt“, sondern dürfen Settings mitgestalten und ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

Warum ist das so ein zentraler Punkt?  

Der Schutz der Tiere ist die Grundvoraussetzung für gute tiergestützte Arbeit. Wirksame tiergestützte Interventionen gelingen dann, wenn Tiere Freude an der Arbeit haben. Das haben sie nur, wenn ihre Bedürfnisse dabei im Vordergrund stehen – wenn also jederzeit Belastungsgrenzen und tierethische Standards berücksichtigt sind.