Die Mensch-Tier-Beziehung ist fast so alt wie die Menschheitsgeschichte. Bereits in der Antike gab es emotionale und persönliche Beziehungen zu bestimmten Heimtieren. Mit der industriellen Revolution und dem städtischen Bürgertum bekamen Tiere in vielen Familien einen festen Platz – nicht nur in den Wohnungen, sondern auch in den Herzen. Und später in Arztpraxen, Altenheimen, Kindergärten und Krankenhäusern, wo Tiere heute im Rahmen tiergestützter Interventionen wirken und heilen.

Mit all diesen Facetten beschäftigt sich der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft. Er wurde 1988 gegründet und gehörte damit zu den ersten Institutionen in den Deutschland, die sich für die wissenschaftliche Seite der Mensch-Tier-Beziehung interessierten. Als Zusammenschluss verschiedener Wissenschaftler hat es sich der Forschungskreis zur Aufgabe gemacht, …

… als Anlaufstelle für Studierende, Medienschaffende und andere Interessierte über aktuelle Projekte in Forschung und Praxis zu informieren,

… als Netzwerk die Protagonisten aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen und Wissen zu verbreiten,

… als Informationsplattform die Forschung zur Mensch-Tier-Beziehung bekannter zu machen und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu stärken,

… als Förderer der Mensch-Tier-Forschung wissenschaftliche Projekte zu unterstützen und exzellente Vorhaben auszuzeichnen.

Mensch-Tier-Beziehung aus verschiedenen Blickwinkeln

Während der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft in der Vergangenheit vor allem dem Bereich der Wirkung von Tieren im familiären Umfeld sowie in tiergestützten Interventionen Beachtung schenkte, soll der Blickwinkel künftig weiter gefasst werden. Auch Wissenschaftler aus Zweigen wie den Human-Animal-Studies, den Geistes-, Kultur, Rechts- und Naturwissenschaften, die zur Mensch-Tier-Beziehung forschen, sollen künftig auf der Plattform des Forschungskreises eine Stimme erhalten.

Leitung des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft

Den Vorsitz des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft hat Prof. Dr. Andrea Beetz, Professorin für Heilpädagogik an der Internationalen Hochschule (IU), inne. Mit mehr als 150 einschlägigen Publikationen hat sie das Wissen zu verschiedenen Feldern der tiergestützten Intervention vorangebracht, unter anderem im Bereich tiergestützte Pädagogik, tiergestützte Therapie für Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung sowie neurobiologischer Grundlagenforschung. Sie ist Präsidentin der International Society for Animal-Assisted Therapy (ISAAT), der führenden internationalen Organisation für die Akkreditierung von Aus- und Fortbildungen zu tiergestützten Interventionen, und war/ist im Vorstand oder wissenschaftlichen Beirat verschiedener namhafter Institutionen aus dem Bereich der tiergestützten Arbeit und Mensch-Tier-Beziehung. 2016 gewann sie den „Distinguished Scholar Award“ der International Association of Human-Animal Interaction Organizations (IAHAIO) für ihre Forschungsarbeiten.

Bis zu seinem Tod im März 2017 hatte Prof. Dr. Reinhold Bergler, Leiter des Psychologischen Instituts der Universität Bonn, den Vorsitz inne. Der Sozialpsychologe war einer der ersten, die das Thema der Mensch-Tier-Beziehung in Deutschland wissenschaftlich betrachteten. Mit unzähligen Interviews, Studien und Buchveröffentlichungen trug er dazu bei, es in Wissenschaft und Praxis zu etablieren. 

In seinen Studien behandelte Bergler ein großes Themenspektrum, das auf den gesellschaftlichen Stellenwert von Heimtieren aufmerksam machte: die Effekte von Tierkontakt auf die menschliche Gesundheit, den Einfluss von Heimtieren auf das schulische Leistungs- und Sozialverhalten von Jugendlichen, die Wirkung von Heimtieren in Krisenzeiten, die psychologischen Vorteile von Aquarien bis hin zu den positiven Effekten von Assistenzhunden.