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Mensch und Tier in den Gesellschaftswissenschaften

Das Forschungsfeld

Die Gesellschaftswissenschaften untersuchen die Mensch-Tier-Beziehung als Bestandteil sozialer Ordnungen, gesellschaftlicher Institutionen und politischer Aushandlungsprozesse. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen das Zusammenleben mit Tieren organisieren, welche gesellschaftlichen Funktionen Tiere übernehmen und wie sich Vorstellungen von Tierlichkeit auf soziale Strukturen, Normen und politische Entscheidungen auswirken. Dabei werden Tiere nicht nur als Objekte menschlichen Handelns betrachtet, sondern zunehmend auch als Akteure, die soziale Beziehungen mitgestalten und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen.

Die gesellschaftswissenschaftliche Perspektive richtet den Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Tieren und Gesellschaft. Sie untersucht beispielsweise, wie Einstellungen gegenüber Heim-, Nutz- oder Wildtieren entstehen, wie Tierhaltung und Tiernutzung gesellschaftlich legitimiert werden oder wie Konflikte um Tierwohl, Naturschutz und Biodiversität politisch ausgehandelt werden. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis aktueller Transformationsprozesse, etwa im Bereich nachhaltiger Ernährung, Landwirtschaft oder des Zusammenlebens von Menschen und Wildtieren im urbanen Raum.

Beispielhafte Ansätze

Die Forschung zur Mensch-Tier-Beziehung innerhalb der Gesellschaftswissenschaften umfasst vielfältige methodische Zugänge:

  • Soziologische Perspektiven: Untersuchung von Mensch-Tier-Beziehungen als Teil sozialer Praktiken und Institutionen. Dabei wird erforscht, welche Rollen Tiere in Familien, Gemeinschaften oder öffentlichen Räumen einnehmen, wie sich Tierhaltung verändert und welche sozialen Bedeutungen Tiere für Identität, Fürsorge oder Zusammenhalt besitzen.
  • Politikwissenschaften: Analyse politischer Entscheidungsprozesse rund um Tierwohl, Naturschutz, Landwirtschaft und Biodiversität. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Governance, der Interessenvertretung sowie der Entwicklung und Umsetzung tierbezogener Gesetze und Strategien.
  • Kommunikations- und Medienwissenschaften: Erforschung der Darstellung von Tieren in klassischen und digitalen Medien. Untersucht wird, wie Medien gesellschaftliche Bilder von Tieren prägen, welche Narrative öffentliche Debatten beeinflussen und wie soziale Medien Einstellungen zu Tierhaltung, Artenschutz oder Ernährung verändern.
  • Wirtschafts- und Konsumforschung: Analyse wirtschaftlicher Strukturen und Konsumentscheidungen im Zusammenhang mit Tieren. Dazu gehören beispielsweise die Nachfrage nach tierischen oder pflanzlichen Produkten, die gesellschaftliche Entwicklung des Heimtiermarktes oder Veränderungen im Konsumverhalten im Kontext von Nachhaltigkeit und Tierwohl.

Wichtige Vertreter und Organisationen im deutschsprachigen Raum

  • Die Forschungsgruppe Tier – Mensch – Gesellschaft an der Universität Kassel zählt zu den wichtigsten Zentren der gesellschaftswissenschaftlichen Mensch-Tier-Forschung in Deutschland. Der interdisziplinäre Verbund vereint unter anderem Soziologie, Philosophie, Geschichte, Freiraumplanung und Agrarwissenschaften und untersucht, wie Mensch-Tier-Beziehungen gesellschaftlichen Wandel mitgestalten – etwa in den Bereichen Heimtierhaltung, Landwirtschaft, Stadtentwicklung oder Nachhaltigkeit: Tier – Mensch – Gesellschaft
  • DDie Sektion Human-Animal Studies an der Justus-Liebig-Universität Gießen fördert den Austausch zwischen Gesellschafts-, Natur- und Geisteswissenschaften. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem auf den sozialen, politischen und ökologischen Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung sowie auf tiergestützten Dienstleistungen und interdisziplinären Forschungsansätzen: Sektion Human-Animal-Studies Gießen.