Dienstag, 7. April 2026
Faszination Katze
Cat Content ist Kult – und das schon lange, bevor Katzenvideos als Klickfänger im Internet kursierten. Warum Katzen faszinieren, polarisieren und was sie symbolisieren, zeigt die Ausstellung „KATZEN!“ im Museum am Rothenbaum in Hamburg (MARKK). Die Co-Kuratorin Dr. Lotte Warnsholdt hat mit MENSCH & TIER gesprochen.
Frau Dr. Warnsholdt, wie lange ist Cat Content schon Kult?Â
Blickt man auf die Katzenverehrung im Alten Ägypten, etwa in der Darstellung der Göttin Bastet, reichen die Faszination für Katzen und entsprechender Cat Content Jahrtausende zurück. Medialer Cat Content in Form von Katzenvideos und Memes entstand mit den ersten sozialen Plattformen im Internet. Eine historische Vorlage hierfür liefern die Carte-de-Visite-Fotografien der Bildserie „The Brighton Cats“ des britischen Fotografen Henry Pointer. In den 1860er Jahren inszenierte er Katzen in vermenschlichten Posen und versah seine Bilder mit humorvollen Textzeilen. Interessant ist, dass sie dem Format der sogenannten Image Macros entsprechen, das heißt: Sie zeigen ein zentriertes Bild mit Textzeile – genau wie die heute so beliebten Memes.
Welche menschlichen Bedürfnisse werden durch Katzenvideos befriedigt?    Â
Einerseits gelten Katzen meist als niedlich und sprechen eine liebevolle Seite in vielen Menschen an. Dies lässt sich unter anderem mit dem sogenannten Kindchenschema begründen, das Schlüsselreize der Fürsorge auslösen soll. Andererseits gibt es eine jahrhundertealte Tradition der Katzenquälerei in Europa, die auf die mittelalterliche Hexen- und Katzenverfolgung zurückzuführen ist. Einige scheinbar lustige Katzenvideos stehen – natürlich stark abgeschwächt – in dieser Tradition und bedienen menschliche Schadenfreude, wenn Katzen beispielsweise vor Gurken erschrecken, die sie für lebensbedrohliche Schlangen halten, oder ihnen Toastscheiben über den Kopf gestülpt werden. Für die Tiere bedeuten diese Videoaufnahmen Stress und Leid.
Und wie bedient sich die Politik der Katze als Symbol? Â
Seit dem Mittelalter besteht eine abwertende Verknüpfung zwischen Frau und Katze, die sich am deutlichsten in der Hexenverfolgung zeigt. Sie zieht sich bis in die Gegenwart, in der die Katze immer noch als Token für politische Kämpfe herangezogen wird. Eindrücklich erkennbar war das im vergangenen US-Wahlkampf, in dem die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris als „childless cat lady“ diffamiert wurde. Ihre Kinderlosigkeit galt Trumps MAGA-Bewegung als Merkmal ihrer politischen Ungeeignetheit und ausgedrückt wurde dies mit dem Sprachbild der „alten Jungfer mit Katze“. Doch regte sich auch Widerstand gegen die abwertende Fremdzuschreibung und viele Menschen unterstützten die demokratische Kandidatin selbstbewusst als stolze „Cat Ladies“.