Dienstag, 7. April 2026
Zwei Kater als Lichtblick
Das Kinderhospiz Lichtblickhof in Österreich steht Kindern mit schweren Krankheiten, Behinderungen oder traumatischen Erfahrungen bei. Zum Therapeut:innen-Team auf zwei und vier Beinen gehören auch die Kater Jonathan und Fuchur. Sie und ihre kleinen Patient:innen sind die Protagonisten der Neuerscheinung „Dr. Katze – Therapie auf samtenen Pfoten“ – ein bewegendes Buch voller persönlicher Geschichten und theoretischem Hintergrund.
Paulina ist zwölf Jahre alt, als sie an Krebs stirbt. In den Monaten vor ihrem Tod durfte das Mädchen viel Zeit mit den Therapiebegleitkatzen Jonathan und Fuchur im Kinderhospiz Lichtblickhof verbringen. Zwei Jahre später meldet ihre Mutter Paulinas kleinen Bruder Finnegan ebenfalls zur katzengestützten Therapie an: Seit dem Tod seiner großen Schwester spricht Finnegan außerhalb seines Elternhauses kaum noch. Sein selektiver Mutismus zeigt, wie tief ihn Paulinas Tod und auch die vorangegangenen Jahre voller trauriger Momente, harter Diagnosen und medizinischer Behandlungen traumatisiert haben. Immerhin erklärt er sich bereit, dieselbe Therapie zu machen, die seiner Schwester glückliche Stunden geschenkt hat. Paulina liebte Katzen.
Auch Finnegan öffnet sich den zutraulichen Katern schnell. Wieder einmal sind die Therapeutinnen Renate Deimel und Roswitha Zink beeindruckt, welchen Effekt ihre beiden Dr. Kater auf traumatisierte Kinder haben:
 „Die Kater Fuchur und Jonathan schaffen auf dem Lichtblickhof unabhängig von Diagnosen und Prognosen Momente der Freude und Leichtigkeit. In den täglichen Abläufen mit den Katern spüren die Kinder Zuversicht und Zusammenhalt.“
Aus der Ich-Perspektive der Therapeutin beschreibt das Buch, wie Finnegan mithilfe der Tiere wieder zurück in ein etwas normaleres Leben findet. Die Zuneigung zu den Katzen motiviert den traumatisierten Jungen, sich ihren Problemen und Sorgen zuzuwenden. Stück für Stück gelingt es ihm, auch sein eigenes Päckchen, das er seit der Erkrankung seiner Schwester trägt, zu thematisieren. „Die Kater sind meine Tankstelle, weil jeder Sprit braucht“, wird Finnegan treffend zitiert. Zum Abschluss seiner zwei Therapiejahre schafft es der Junge in Begleitung von Fuchur, erstmals seit der Beerdigung das Grab seiner Schwester zu besuchen.
Er ist nicht der Einzige, dem die beiden Katzen neue Lebensfreude geben. Die Autorinnen Renate Deimel, Roswitha Zink und Prof. Dr. Karin Hediger verweben Fachthemen rund um die katzengestützte Therapie, das Naturell von Katzen sowie den Stand der wissenschaftlichen Forschung mit anrührenden Geschichten von kleinen Patienten und Patientinnen. Da ist Lena, ein schwer krankes Mädchen, das seine letzten beiden Lebensjahre am liebsten mit den Katzen des Lichtblickhofs verbringt. Die Therapeutinnen staunen, wie tröstlich der stille Beistand der Tiere wirkt:
„Die Natur und die Freundschaft mit Tieren können starke ‚Medikamente‘ sein, und Dr. Katze weiß, wie man sie verschreibt.“
Lena war die erste Patientin, die von den Katzen profitiert hat. Sie war der Grund, warum seit ihrem Tod am Lichtblickhof systematisch katzengestützte Therapie angeboten wird – beispielsweise für Paul, der durch Knochenkrebs ein Bein verloren hat und seine Prothese nicht tragen will. Der therapiemüde Junge nimmt aber großen Anteil an der Krankengeschichte von Kater Jonathan, der sich nach einem Sturz monatelang nur sehr begrenzt bewegen darf. Gemeinsam mit dem Tier kommt Paul wieder auf die Beine und lernt, seine Prothese zu akzeptieren. Auch Susanne, eine nahezu vollständig gelähmte junge Frau, profitiert vom Treffen mit den Katzen. „Es ist kaum zu beschreiben, denn eigentlich fühlt mein Körper nicht mehr viel, alles ist gelähmt, aber die Berührungen von Fuchur und Jonathan spüre ich überall“, wird Susanne zitiert. Die Kater scheinen ein intrinsisches Gespür dafür zu haben, was ihr jeweiliger Patient gerade braucht:
„Die Einschätzung der Tiere ist der größte Schatz der tiergestützten Arbeit, denn Tiere sind oft feinsinnig und erfassen die Probleme des Gegenübers häufig genauer als menschliche Therapeuten.“
Die Voraussetzung dafür ist, dass die katzengestützte Therapie immer am Wohl der Tiere ausgerichtet ist. Wie das aussehen kann, ist den Autorinnen von „Dr. Katze“ zufolge individuell: Es gebe nicht die eine Anleitung, um mit Therapiebegleitkatzen zu arbeiten – jede Fachkraft müsse für sich und ihre Katze den besten Weg finden. Wie wichtig dabei die freiwillige Mitarbeit der Katzen ist, ihre Mitbestimmung, die Mensch-Tier-Kommunikation sowie Rückzugsorte, die die Tiere jederzeit aufsuchen können, füllt eigene Kapitel.
Zudem geben die drei Katzenexpertinnen praxisnahe Anleitungen, wie die Ausbildung von Katzen für den therapeutischen Kontext aussehen kann. Sie geben Tipps, was jede Katze lernen und können sollte. Sie führen ein in ein innovatives Instrument der Kommunikation mit Tieren: ein Sprachboard, dessen Bedienung Jonathan und Fuchur perfekt beherrschen. Im Vorwort bringt es der bekannte Katzenforscher Prof. Dr. Dennis C. Turner auf den Punkt: