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Montag, 16. März 2026

Trauer und Tabu: Was der Tod von Heimtieren lehrt

Der Tod gehört zum Leben – und doch bleibt er in vielen modernen Gesellschaften ein Thema, über das selten offen gesprochen wird. Eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien lenkt den Blick auf einen bislang wenig beachteten Zugang zu dieser Erfahrung: den Verlust von Heimtieren.

Unter der Leitung von Svenja Springer und Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut untersuchte ein Forschungsteam die sozialen Dimensionen des Todes von Heimtieren. Die Studie betrachtet das Thema aus der Perspektive der sogenannten Thanatosoziologie – einer Forschungsrichtung, die sich mit gesellschaftlichen Umgangsweisen mit Sterben und Tod beschäftigt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Frontiers in Veterinary Science“ veröffentlicht.

Ein tabuisiertes Thema

Grundlage der Untersuchung waren qualitative Interviews mit Kleintierärzt:innen, die auf Hospiz- und Palliativmedizin spezialisiert sind. Ziel war es herauszufinden, wie diese Fachleute gesellschaftliche Einstellungen zum Tod wahrnehmen und welche Rolle der Abschied von Heimtieren dabei spielen kann. Viele der Befragten berichteten von einem weit verbreiteten Tabu rund um das Sterben. In modernen Gesellschaften werde der Tod häufig räumlich und emotional aus dem Alltag verdrängt. Dadurch fehle vielen Menschen die Erfahrung, sich mit Abschied und Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.

Heimtiere als Brücke zur Auseinandersetzung mit Sterblichkeit

Der Verlust eines geliebten Tieres kann diese Distanz jedoch durchbrechen. Da Heimtiere meist eng mit ihren Halter:innen zusammenleben, erleben Familien Krankheit, Abschied und Tod oft unmittelbar. Nach Einschätzung der interviewten Tierärzt:innen kann diese Erfahrung dazu beitragen, sich bewusster mit Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.

Besonders für Kinder kann der Abschied von einem Tier eine erste intensive Begegnung mit Sterben und Trauer sein. Einige der Befragten beschrieben den Verlust eines Heimtieres daher als eine Art „Trainingsfeld“ für den Umgang mit dem Tod.

Doppelrolle für Tierärzt:innen

Die Studie macht zugleich deutlich, dass Tierärzt:innen in solchen Situationen eine besondere Rolle einnehmen. Sie begleiten nicht nur medizinische Entscheidungen, sondern unterstützen häufig auch emotional bei Abschied und Trauer. Die Forschenden plädieren daher dafür, den Umgang mit Sterben und Trauer stärker in die veterinärmedizinische Ausbildung zu integrieren. Tierärzt:innen könnten so besser darauf vorbereitet werden, Tierhalter:innen in schwierigen Situationen zu begleiten und Gespräche über Vergänglichkeit zu ermöglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Heimtiere nicht nur im Leben, sondern auch im Abschied eine bedeutende Rolle spielen können. Ihr Verlust kann dazu beitragen, gesellschaftliche Tabus sichtbar zu machen – und einen offeneren Umgang mit Sterblichkeit zu fördern.