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Montag, 16. März 2026

Spielerisches Konzept macht Lesen lernen mit Hund erfolgreich

Seit Jahren verbessern ausgebildete Hunde in Grundschulen den Lernerfolg beim Lesen. Wie genau das geschieht und welche Rolle der Hund im Rahmen der pädagogischen Rituale des Schulalltags spielt, das haben Bildungsforscher aus Norwegen untersucht.

Eine Reihe von internationalen Studien hat seit Beginn dieses Jahrtausends den Erfolg des Lesenlernens mit Hund belegt. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen konnten verschiedene Effekte nachweisen, wenn Kinder im schulischen Umfeld das Vorlesen gemeinsam mit speziell ausgebildeten Hunden üben: anhaltende Motivation, Konzentration, Selbstwirksamkeit sowie ein sinkendes Level an Stress und Aggression. 

Fallstudie in einer norwegischen Grundschule

Norwegische Forscher aus dem Fachbereich Bildung der Universität Agder in Kristiansand wollten nun wissen, wie die pädagogischen Rituale des Schulalltags die Rolle des Hundes als unvoreingenommener Zuhörer erklären. Im Rahmen einer qualitativen Fallstudie wurde über sieben Monate hinweg in einer norwegischen Grundschule per Videoaufzeichnung das Leseerlebnis von Drittklässlern mit einem Hund beobachtet. Die 14 teilnehmenden Kinder waren im Schnitt acht Jahre alt und ihr sozioökonomischer Status entsprach dem norwegischen Durchschnitt. Bei dem Hund handelte es sich um einen zehn Jahre alten Pudelrüden. Die vier Mädchen und zehn Jungen absolvierten insgesamt 112 Vorlesesitzungen mit dem Hund. Zusätzlich zu den Videoaufzeichnungen ergänzten Interviews und Onlinedaten die Beobachtungen. Eine narrative Analyse ergab drei Hauptkategorien der Vorlesesitzungen: Einleitung, Lesesequenz und Schlusssequenz. 

Hund ermöglicht spielerisches Herangehen

Als Fazit der im Fachblatt „Anthrozoös“ veröffentlichten Untersuchung schlussfolgert der Pädagoge und Studienleiter Dr. Andreas Reier Jensen: „Wir schließen aus den erhobenen Daten, dass die Rolle des Hundes als unvoreingenommener Zuhörer im Leseunterricht durch eine unsichtbare Pädagogik erklärt werden kann, die die Unterrichtsstunden ritualisiert: Das Ritual weist dem Hund im schulischen Kontext eine einzigartige pädagogische Rolle zu – als eine Art Hybrid aus Tier und Mensch, als unbewusster pädagogischer Akteur.“ Beim Vorlesen für den Hund werde die eigentliche Unterrichtsabsicht als ein spielerisches Herangehen umgedeutet, das den Schülern potenziell Freude bereitet und Stress abbaut. So ist zu erklären, dass die Kinder mit anhaltender Motivation die Leseförderung besuchen und ihre Leistungen nachhaltig verbessern.