Mittwoch, 19. August 2026
Hunde sollen Giftpflanzen in Heu erschnüffeln
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) arbeitet daran, Futtermittel für Pferde und Rinder – und damit auch Lebensmittel für Menschen – sicherer zu machen. Dabei könnten künftig Spürnasen auf vier Pfoten eine wichtige Rolle spielen.
Sie heißen Leo, Siri, Suri, Käthe, Hilde und Barni und arbeiten seit Kurzem für das BfR. Die sechs Hunde sollen dabei helfen, Futtermittel sicherer zu machen. Dazu lernen sie, Spuren giftiger Pflanzen in Heu zu erschnüffeln.
Davon können alle profitieren, die ihre Pferde oder Rinder im Winter mit Heu, Heulage oder Silage füttern – also praktisch alle Halter:innen dieser Großtiere. Denn die Aufnahme von Greiskrautgewächsen kann tödliche Folgen haben: Die Pflanzen bilden natürlicherweise Pyrrolizidinalkaloide – sekundäre Pflanzenstoffe, von denen einige die Leber schädigen und Krebs verursachen können. „Gelangen Greiskrautgewächse bei der Ernte in Heu oder Silage, können sie insbesondere bei Rindern und Pferden tödliche Vergiftungen auslösen“, teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung mit. „In geringen Mengen können die Giftstoffe auch in tierische Lebensmittel übergehen und den menschlichen Körper erreichen.“
Methoden zur Erkennung fehlen bislang
Greiskräuter sind eine artenreiche Pflanzengruppe, deren Vertreter weltweit zu finden sind – am gefürchtetsten ist hierzulande wohl das Frühlings-Greiskraut oder auch Jakobs-Kreuzkraut. Auf der Weide machen Pferde und Rinder in der Regel einen Bogen um die bitter schmeckenden Pflanzen. Gelangen sie jedoch in Futterheu, nehmen die Tiere die Pflanzen samt den darin steckenden giftigen Stoffen auf. „Bisher fehlen einfache Methoden, entsprechende Verunreinigungen im Heu zuverlässig zu erkennen“, warnen Fachleute vom BfR.
Der Vergiftungsgefahr haben geschulte Hunde ihr überragendes Riechorgan entgegenzusetzen: Die vier Labradore und zwei Australian Shepherds sind mit ihren Halterinnen normalerweise in der Freizeit als Spürhunde im Einsatz. Für das BfR sollten sie nun lernen, die unerwünschten Pflanzen zu erkennen.
Dafür trainierte ein Team um Dr. Carola Fischer-Tenhagen vom BfR die Hunde zunächst auf den pflanzentypischen Geruch. In einer ersten Versuchsreihe versteckte die Versuchsleiterin eine Greiskraut-Probe unter insgesamt zwölf Pflanzenproben, darunter Löwenzahn, Ackersenf und Hahnenfuß. Der Versuch erfolgte doppelblind – also weder die Hundeführerin noch die Wissenschaftlerin, die den Versuch durchführte, wusste, in welchem Behälter die positive Greiskraut-Probe enthalten war. So wird verhindert, dass unbeabsichtigte Signale der Menschen die Hunde auf die richtige Fährte führen.
Hunde haben eine sehr gute Trefferquote
Insgesamt beschnüffelten die Hunde 419 Proben. Das Ergebnis: In allen Tests fanden die Hunde die Proben mit dem giftigen Kraut. Es gab nur sehr wenige Falsch-Positiv-Funde, in denen die Hunde andere Pflanzen fälschlicherweise als Greiskraut identifizierten.
In einer zweiten Versuchsreihe wurden sehr kleine Mengen von nur drei Gramm des Jakobs-Kreuzkrauts unter 400 Gramm Heu gemengt und die Hunde anschließend erneut auf die Suche geschickt. Insgesamt arbeiteten die sechs Hunde 402 Proben ab und erzielten auch in diesem Experiment eine sehr hohe Trefferquote. In der letzten Versuchsphase sollten die Hunde dann geringe Mengen des Krauts in ganzen gepressten Heuballen aufspüren.
„Perspektivisch könnten speziell geschulte Hunde etwa Pferdehalterinnen und ‑haltern helfen, Futterheu auf Verunreinigungen zu prüfen, sowie entsprechende risikoorientierte Probenahmen ermöglichen“, heißt es beim BfR.
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