Dienstag, 7. April 2026
Heimtiere als Wirtschaftsfaktor
Sie bereichern nicht nur das Leben ihrer Halter:innen, sondern leisten auch einen stabilen Beitrag zu Konsum, Wertschöpfung und Jobs: Eine neue volkswirtschaftliche Studie beziffert die Ausgaben deutscher Haushalte für Heimtiere auf mehr als 18 Milliarden Euro.
Die Hundefreundin und Ökonomin Prof. Dr. Renate Ohr von der Universität Göttingen hat bereits zum dritten Mal die Wertschöpfung der Heimtierhaltung in Deutschland ermittelt. Ihre aktuelle Untersuchung „Heimtierstudie 2025: Update und Trends zur wirtschaftlichen Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland“ beziffert die mit der privaten Tierhaltung verbundenen Umsätze für das Jahr 2024 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Abzüglich der darin enthaltenen Importe kommt Prof. Dr. Ohr auf einen Beitrag der Heimtierhaltung zur deutschen Wertschöpfung von etwa 15,2 Milliarden Euro – das entspricht einem Anteil von ungefähr 0,35 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP), also mehr als einem Drittel des Beitrags von Land- und Forstwirtschaft inklusive Fischerei. Geschätzt sind mit der Heimtierhaltung bis zu 165.000 Arbeitsplätze verbunden.
„Diese Zahlen unterstreichen die dauerhafte gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Ohr. „Heimtiere wie Hunde, Katzen, aber auch Kleintiere, Vögel, Fische und Reptilien werden als Sozialpartner und Familienmitglieder gesehen und unterstützen nachweislich die physische und psychische Gesundheit ihrer Besitzer:innen.“ Mit dieser Wertschätzung sei auch eine zunehmende Bereitschaft verbunden, Geld für sie auszugeben.
Heimtiernahrung ist der größte Umsatzposten
Für ihre Studie hat Prof. Dr. Ohr die Ausgaben in allen relevanten Bereichen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie dem Statistischen Bundesamt oder Verbänden erfasst, über verschiedenste Informationen selbst berechnet, durch Tierhalter:innen-Befragungen ergänzt und auf Plausibilität geprüft. Dazu gehören Wirtschaftsbereiche wie Heimtiernahrung, Zubehör, Veterinärleistungen, Versicherungen, Tierbestattung, Tierpensionen oder Hundetraining.
Die meisten Ausgaben tätigen Tierhalter:innen der Studie zufolge für Heimtiernahrung, inklusive zu Hause frisch zubereitetem Futter. Die Umsätze damit beziffert die Ökonomin auf 7,5 bis 9,5 Milliarden Euro.
Ein ebenfalls großer Posten und deutlicher Wachstumstreiber ist der Wirtschaftszweig Gesundheit, also Veterinärwesen, Tierheilkunde und verwandte Berufe. Die Gesamtumsätze in diesem Bereich schätzt Prof. Dr. Ohr auf einen Betrag zwischen
4 und 4,2 Milliarden Euro. „Ein deutlicher Sprung in den Umsätzen ist auf die neue Gebührenordnung für Tierärzte seit 2022 zurückzuführen – aber auch mittelfristig ist mit weiter steigenden Ausgaben von fünf bis zehn Prozent zu rechnen“, sagt die Studienautorin. Das läge einerseits an der Bereitschaft, sich für den tierischen Partner teure Diagnose- und Behandlungsformen aus der Humanmedizin zu leisten, andererseits an der vermehrten Nutzung von Tierkrankenversicherungen, die die Ausgabenbereitschaft der Tierhalter:innen für tierärztliche Behandlungen erhöht.
So ist auch der Bereich der Tierversicherungen der Studie zufolge stark auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro gewachsen, was vor allem auf einen Boom bei Krankenversicherungen für Hunde und Katzen zurückzuführen ist.
Humanisierung in der Heimtierhaltung
Selbst den Tod ihrer Tiere lassen sich die Halter:innen etwas kosten: Für die Heimtierbestattung ergaben sich geschätzte Ausgaben in Höhe von 100 bis 110 Millionen Euro. „Die Humanisierung in der Heimtierhaltung zeigt sich auch im Bestattungswesen“, erläutert Prof. Dr. Ohr das starke Wachstum. „Immer weniger Tiere werden nach ihrem Tod zur Tierkörperbeseitigung gebracht; die Wachstumsraten bei der Heimtierbestattung werden sich somit mittelfristig fortsetzen – mit voraussichtlich steigender Tendenz.“
Die Studie wurde vom Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. unterstützt. „Damit möchten wir dazu beitragen, die Bedeutung der Heimtierhaltung auch unter gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten mit Daten und Fakten zu belegen“, sagt IVH-Geschäftsführerin Dr. Katrin Langner.