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Montag, 7. September 2026

Großstadtkinder profitieren von Tierkontakt

Hunde und Katzen bringen nicht nur Freude ins Haus, sondern könnten sich auch langfristig auf die Gesundheit von Kindern aus größeren Städten auswirken: Laut einer Studie der Uniklinik Ulm und weiterer Forschungseinrichtungen scheint Tierkontakt das Risiko zu reduzieren, als Erwachsener stressbedingte Störungen zu entwickeln.

Das Großstadtleben ist oft fordernd. Menschen leben dicht an dicht, der Verkehr ist eine ständige Lärmquelle, die Luft ist stickig und es gibt nur begrenzt Grünflächen zur Erholung. Das hat zur Folge, dass stressbedingte körperliche und psychische Krankheitsbilder bei Stadtbewohner:innen häufiger auftreten als bei Menschen, die auf dem Land leben.

Stress begünstigt Entzündungen im Körper

Das Problem: Stress kann das Immunsystem dauerhaft aus dem Gleichgewicht bringen. Die Folge können chronische niedriggradige Entzündungen und eine gestörte Darmbarriere sein. Präklinische Studien deuten darauf hin, dass solche Veränderungen an der Entstehung verschiedener entzündlicher Erkrankungen beteiligt sind. Welche Rolle Heimtiere bei diesem Mechanismus spielen könnten, das haben Wissenschaftler:innen der Sektion für Molekulare Psychosomatik an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Uniklinik Ulm nun untersucht.

Die unter dem Titel „Pawsitive impact“ in der Fachzeitschrift „Brain, Behavior and Immunity“ erschienene Studie schließt an eine Arbeit aus dem Jahr 2018 an. Diese hatte gezeigt, dass Landbewohner:innen mit engem Kontakt zu Nutztieren Stresssituationen immunologisch besser bewältigen als Menschen aus Großstädten ohne Tierkontakt. „Allerdings ließ unsere Untersuchung damals die Frage unbeantwortet, ob dieser deutliche Unterschied in der stressassoziierten Immunreaktivität auf den Faktor ‚Stadt versus Land‘ oder auf den Faktor ‚regelmäßiger versus fehlender Tierkontakt‘ zurückzuführen ist“, erklärt Sektionsleiter Professor Stefan Reber, der neben der aktuellen auch die Vorgängerstudie koordiniert hat. So sollte die Nachfolgestudie herausfinden, ob regelmäßiger Tierkontakt auch in der Stadt die stressassoziierte Immunaktivierung und daraus folgende Entzündungsreaktionen abmildern kann.

An der neuen Studie nahmen 40 gesunde männliche Personen zwischen 18 und 40 Jahren teil, die in einer Stadt mit mehr als 40.000 Einwohnern aufgewachsen sind. Die Hälfte von ihnen hielt bis zum Alter von 15 Jahren keine Heimtiere, die andere Hälfte lebte mindestens fünf Jahre lang mit einem Hund oder einer Katze zusammen. Die Probanden unterzogen sich dem Trier Social Stress Test – einem international etablierten standardisierten Labortest, der psychosozialen Stress auslösen und messen soll. Zudem erfassten die Forscher:innen ihren psychischen und körperlichen Gesundheitszustand, frühe Lebenskrisen, aktuelle Tierkontakte und ihre subjektive Belastung mithilfe eines Fragebogens. Davor und danach entnahmen sie den Probanden Blut- und Speichelproben, um unter anderem Blutzellzusammensetzungen, Entzündungsparameter, Darmbarriere-Marker, die Zusammensetzung des Speichelmikrobioms, den Stresshormonspiegel und immunregulatorische Marker zu bestimmen. Außerdem wurden vor, während und nach dem Stresstest die Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität kontinuierlich aufgezeichnet.

Tierkontakt stärkt das Immunsystem

Das Ergebnis: Der Stresstest führte bei Teilnehmern, die ohne Heimtiere aufgewachsen sind, zu einer schnelleren unerwünschten Mobilisierung der Immunabwehr im Vergleich zu Probanden mit Tierkontakt. Begleitet wurde dies von einer verstärkten pro-entzündlichen systemischen Stressreaktion. „Wir können zeigen, dass bei gesunden männlichen Städtern, die ohne Heimtiere aufgewachsen sind, das Immunsystem weniger immunregulatorische Fähigkeiten besitzt und die intestinale Barrierefunktion gestört ist. Unter normalen Bedingungen hat dies erst einmal keine Auswirkungen, jedoch kann es durch die gesteigerte Immunzellmobilisierung bei Stress zu einer überschießenden akuten Entzündungsreaktion kommen“, erklärt die Psychologin Dr. Katja Weimer, Co-Erstautorin der Studie, aus der Ulmer Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Ergebnisse bestätigen frühere Forschungshypothese

Die untersuchte Stichprobe ist mit nur 40 männlichen Teilnehmern zwar recht klein. Dennoch unterstützt die Untersuchung die seit einigen Jahren intensiv erforschte Hypothese, dass früher Kontakt mit Tieren und deren Umweltmikroorganismen das Immunsystem so prägen könnte, dass der Körper später weniger auf psychosozialen Stress reagiert. Ob sich dieser Effekt auch bei Frauen, Jugendlichen oder älteren Menschen nachweisen lässt, müssen künftige Studien zeigen.