Beitrag Mensch&Tier

Donnerstag, 10. April 2014

Früher hielt Kathrin Mönnich auf ihrem Hof „Lütt Eden“ in Schleswig-Holstein Ponys und Esel. Heute setzt die Ergotherapeutin in ihrer Arbeit mit psychisch kranken Menschen auf die Kreuzung aus den beiden Tierarten: Mulis.

MENSCH & TIER: Was genau macht ein Muli aus?

Kathrin Mönnich: „Muli“ ist der Überbegriff für Kreuzungen aus Pferd und Esel. Ist der Vater ein Pferd, heißt der Mix „Maulesel“; ist der Vater ein Esel, so heißen die Nachkömmlinge „Maultier“. Je nachdem, wer die Elterntiere sind, können sie so klein wie Shetlandponys oder so gewaltig wie Kaltblutpferde sein. Diese Mischung aus Pferd und Esel ergibt eine faszinierende Kombination – nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich. Mulis können nach meiner Erfahrung in einem Moment so energiegeladen und ausdrucksstark sein wie Pferde und im nächsten geduldig und verschmust wie ein Esel.

Wie setzen Sie Ihre Mulis ein?

Ich arbeite hauptberuflich in einer Tagesstätte für Menschen mit psychischen und Sucht-Erkrankungen. Zweimal pro Woche beschäftigen wir uns bei mir auf dem Hof mit den Tieren und ihrer Haltung. Mein Ansatz ist ganzheitlich: Die Arbeit für die Tiere - zum Beispiel Heu holen, Zäune bauen, Weiden säubern –gehört ebenso dazu wie die Beschäftigung mit den Tieren. So erleben meine Klienten den Kreislauf der Natur – eine Erfahrung, die viele Menschen heute gar nicht mehr machen.

Arbeiten Sie lieber in der Natur als in einer Praxis?

Unbedingt. Wir Menschen sind darauf programmiert, mit der Natur zu leben. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen können es nicht aushalten, ständig mit Anderen zusammen zu sein. Für sie kann es sehr erfüllend sein, in stillem Einklang ein Muli stundenlang zu bürsten. Das ist willkommener Körperkontakt, fördert das Kommunikations- und Beziehungsvermögen, die Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, das Verantwortungsbewusstsein und das praktische Denken und Handeln.

Diese Effekte gibt es doch auch bei anderen Tieren.

Das stimmt. Ich habe neben Mulis ja auch noch andere Tiere wie Lamas, Ziegen, Hunde und Esel, die auch große Qualitäten aufweisen. Das Faszinierende an den Mulis ist, dass sie nur mit Menschen zusammenarbeiten, denen sie zutrauen, im wahrsten Sinne des Wortes Führung zu übernehmen. Beim Spazierengehen zum Beispiel läuft ein Muli brav an der Leine oder benimmt sich scheinbar unerzogen – je nach der Präsenz und dem Selbstbewusstsein des Führenden. Das regt bei den Klienten die Lernbereitschaft an und steigert die Freude, wenn das Tier kooperiert.

Kontakt: Lütt Eden | Kathrin Mönnich | 24392 Dollrottfeld
lebendigerleben@googlemail.com | www.luett-eden.de
Telefon: 04641 / 1073