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Hunde haben eine beruhigende und stressreduzierende Wirkung auf Menschen. Foto: @iStock / Capuski

Mittwoch, 07. Oktober 2020

In einer Pilotstudie hat eine italienische Forschergruppe nachgewiesen, dass die Anwesenheit von Hunden während einer Dialyse einen beruhigenden und stressreduzierenden Einfluss auf die Patienten hat.

Weltweit leiden etwa 850 Millionen Menschen an einer Nierenkrankheit. Im schlimmsten Fall ist diese aufgrund unterschiedlicher Ursachen schon in einem chronischen Stadium, bei dem ein- oder mehrmals in der Woche eine Dialyse lebensnotwendig ist. Nicht nur körperlich, auch psychisch ist dies sehr belastend für die Betroffenen. An der Universität von Neapel hat sich nun ein zehnköpfiges Forscherteam um Lucia Francesca Menna mit der Frage beschäftigt, ob und welchen Einfluss es auf den Patienten hat, wenn er während der Dialyse von einem Hund begleitet wird.

Hierzu wählten die Wissenschaftler zehn Dialyse-Patienten aus, die von Haus aus keine Berührungspunkte mit Hunden haben. Um herauszufinden, ob und welchen Effekt die hundegestützte Dialyse-Begleitung hat, haben die Forscher drei Monate lang einmal wöchentlich Blutwerte der Patienten ausgewertet - jeweils am Anfang und am Ende einer von einem Labrador begleiteten Dialyse-Sitzung. Zum Vergleich wurden vor der ersten hundegestützten Sitzung ebenfalls die Blutwerte ermittelt.

Ihr Fokus lag dabei auf der Messung der Serotonin- und Oxytocinmenge im Blut. „Wir wissen, dass Serotonin und Oxytocin wichtige Botenstoffe verschiedener menschlicher Verhaltensweisen sind, zum Beispiel im Hinblick auf Beziehungen, und sie sind beteiligt an der Kontrolle von Stress, Angst und sozialer Kooperation“, sagt Forschungsleiterin Menna. Im Volksmund ist Serotonin das bekanntere Hormon, es wird auch „Glückshormon“ genannt. „Ziel unserer Studie war herauszufinden, welche Mengen von Serotonin und Oxytocin bei Menschen ausgeschüttet werden, deren Dialyse-Behandlung tiergestützt begleitet wird“, sagt Menna.

Während sich der Wert der Botenstoffe in der ersten Sitzung noch verringerte, folgte in allen anschließenden Behandlungen eine Steigerung der Werte. „Wir vermuten, dass das erste Ergebnis auf die neue Situation und das Gewöhnen daran zurückzuführen ist“, sagt Menna. „Die Ergebnisse aller weiteren Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass tiergestützte Interventionen mit einem Hund bei einer Dialyse-Behandlung zu erhöhten Serotonin- und Oxytocin-Werten führen und wir konnten ein verändertes Verhalten der Patienten beobachten.“ Menna regt an, weitere Forschung auf diesem Gebiet zu betreiben, da die Ergebnisse dieser ersten Studie mit einer Zahl von nur zehn Probanden noch weiter bestätigt werden müssen.

Departments of Veterinary Medicine and Animal Productions l Federico II University of Naples l Lucia Francesca Menna l menna@remove-this.unina.it