Beitrag Mensch&Tier

Echtes Familienmitglied: Menschliche Namen für Haustiere nahmen im Verlauf der Zeit zu. Foto: iStock / Crazace2006

Mittwoch, 07. Oktober 2020

Es gibt viele Ansätze, das veränderte Verhältnis von Mensch und Tier zu erforschen. Die amerikanische Wissenschaftlerin Carol J. Auster setzte dort an, wo das Leben vorbei ist: bei Grabinschriften auf Tierfriedhöfen. Sie fand heraus, dass der Mensch zunehmend dazu tendiert, sein Haustier als Familienmitglied zu betrachten.

Gemeinsam mit zwei Kolleginnen wertete Carol Auster vom Franklin & Marshall College in Lancaster insgesamt 2.695 Gedenktafeln des örtlichen Tierfriedhofs aus. Die untersuchten Inschriften stammen aus den Jahren 1951 bis 2018. Das Forscherteam stellte sich die Frage, ob und auf welche Weise sich in Grabsteininschriften das Mensch-Tier-Verhältnis darstellt und ob sich im Laufe der letzten knapp 70 Jahre signifikante Veränderungen in den Inschriften nachweisen lassen können.

In der Zeitschrift ,,Anthrozoös“ stellte das Team kürzlich seine Ergebnisse vor. Die Forscher fanden heraus, dass es sowohl Konstanten als auch Veränderungen gibt. „Erwartungsgemäß zeigten die Ergebnisse erst einmal, dass auf fast allen Plaketten der Name sowie das Geburts- und Todesjahr des Haustiers aufgeführt waren“, sagt Auster. Signifikante Veränderungen stellte die Forscherin bei der Namensgebung der Haustiere und bei der Wortwahl auf den Grabsteininschriften fest. „Die Verwendung geschlechtsspezifischer menschlicher Namen für Haustiere nahm im Laufe der Zeit zu“, berichtet Auster. Wörter wie „Liebe/Geliebt“, „Mama/Papa“ und „Vermisst“ wurden häufiger verwendet, das Wort „Haustier“ kaum noch. „Viele der Ergebnisse dieser Studie signalisieren eine zunehmende Tendenz der Menschen, ihre Haustiere als  echtes Familienmitglied zu betrachten“, sagt Auster. 

Department of Sociology l Franklin & Marshall College l Carol J. Auster l causter@remove-this.fandm.edu