Beitrag Mensch&Tier

Montag, 07. Dezember 2009

Kinder mit Autismus haben mehr Interesse an sozialen Kontakten als häufig angenommen wird. Vor die Wahl gestellt, ob sie sich mit einem Therapiehund, einem Menschen oder Spielzeug beschäftigen möchten, wählen sie am häufigsten den Hund. Das zeigt eine Studie, die an der Universität Leipzig durchgeführt und nun im Journal Anthrozoös: A Multidisciplinary Journal of The Interaction of People and Animals, der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der Gesellschaft für Anthrozoologie (ISAZ), veröffentlicht wurde.

Dr. Anke Prothmann analysierte gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern Therapiesitzungen von 14 Kindern mit Autismus. Dabei konnten die Kinder in jeder Sitzung frei wählen, womit sie sich beschäftigen wollen. Die Forscher analysierten Videoaufnahmen der ersten, der dritten und der fünften Sitzung. Dabei zeigte sich: Schon in der ersten Sitzung entschieden sich die Kinder vorwiegend dafür, sich mit dem Hund zu beschäftigen. Diese Tendenz nahm im Laufe der ersten fünf Sitzungen sogar zu. An zweiter Stelle wählten die Probanden die Interaktion mit dem Menschen, erst an dritter Stelle beschäftigten sie sich mit dem unbelebten Spielzeug. Laut Prothmann suchten die Kinder den Kontakt zu den Hunden von sich aus. Sie reagierten nicht nur auf die Aktionen des Hundes.

Dies widerspricht der gängigen These, Menschen mit Autismus würden sich lieber unbelebten Gegenständen zuwenden. Das Ergebnis der Studie überraschte noch in einem zweiten Punkt: Über Menschen mit Autismus gibt es die Auffassung, dass sie nur selten auf nonverbale Kommunikation ansprechen – für Hunde allerdings die einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen. Das große Interesse an Hunden könnte gerade darin begründet sein, dass diese ausschließlich nonverbal kommunizieren, schlussfolgert Prothmann.

Dieses Studienergebnis, dass autistische Kinder durchaus Interesse an sozial-kommunikativer Interaktion haben, aber die einfachere Kommunikationsform von Tieren bevorzugen, sollte auch bei der Therapiearbeit mit autistischen Menschen Berücksichtigung finden.

Kontakt: Dr. Anke Prothmann,
E-Mail: info@remove-this.tiere-als-therapie.de