Europäische StudieWeißbuch zu Besuchshunden im Seniorenheim

Tierkontakt tut besonders älteren und einsamen Menschen gut. Foto: pixabay / henriethaan

Montag, 08. Oktober 2018

Ein europäisches Forschungsprojekt untersucht erstmals systematisch und über Landesgrenzen hinweg die Situation von hundegestützten Interventionen in Seniorenheimen. Die Resultate fließen in ein Weißbuch zu Praktiken und Standards ein.

Als eine Ehrenamtliche vom Verein „Leben mit Tieren“ mit ihrer Hündin zu Besuch in einer Senioreneinrichtung ist, kommt eine alte Dame lächelnd auf sie zu, zeigt auf die Hündin und sagt: „Das hätte es früher nicht gegeben.“ Das stimme, meint Prof. Dr. Sandra Wesenberg, Gastprofessorin für Klinische Psychologie an der Alice Salomon Hochschule in Berlin: „Tiergestützte Interventionen finden erst in den letzten Jahren immer mehr Verbreitung in verschiedensten psychosozialen Arbeitsfeldern. Besonders häufig werden Hunde in die Arbeit mit älteren Menschen in stationären Einrichtungen einbezogen.“ Die Zahl der Projekte wachse rasant, ein systematischer Überblick zur Situation in Deutschland und in anderen europäischen Ländern fehle aber bislang.  

Um diesen zu erlangen, arbeitet Wesenberg gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Nestmann von der Universität Dresden an dem Forschungsprojekt „Human Animal Interaction with dogs in retirement homes in Europe“ mit. Das von CNSA (Caisse nationale de solidarité pour l’autonomie) geförderte Projekt hat ein Netzwerk europäischer Forscher und Praxispartner aus Frankreich, Italien, den Niederlanden und Deutschland zusammengebracht. Beteiligt sind unter anderem Prof. Dr. Marie-Jose Enders-Slegers, Präsidentin des Dachverbands IAHAIO, sowie Luca Farina, Leiter des Italian National Reference Centre for Animal Assisted Interventions.

In Gruppendiskussionen und Workshops diskutieren die Wissenschaftler und Praxispartner, etwa der Verein „Leben mit Tieren“, die jeweiligen nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen und die Verbreitung tiergestützter Arbeit sowie Standards der Ausbildung und Qualitätssicherung. Zudem erheben Forscher während Hospitationen in Seniorenheimen in allen Partnerländern Felddaten und werten diese aus. „In einem letzten Schritt sollen hieraus Best-Practice-Beispiele und Vorschläge zur Verbesserung sowie zur Harmonisierung der verschiedenen Praktiken und Standards erarbeitet und in einem Weißbuch veröffentlicht werden“, stellt Wesenberg in Aussicht.

Alice Salomon Hochschule l Prof. Dr. Sandra Wesenberg l wesenberg@remove-this.ash-berlin.eu