UmfrageTiergestützte Interventionen: Enorme Wirkung, wenig Anerkennung

Tiergestützte Interventionen mit Kindern und Jugendlichen sind in Deutschland besonders beliebt. Foto: Pixabay / Seaq68

Freitag, 03. April 2020

Eine unter deutschen Therapeuten und Pädagogen durchgeführte Umfrage gibt Einblicke in die Arbeitspraxis tiergestützter Interventionen. Eines der Ergebnisse: Zu den am meisten eingesetzten Tierarten gehören Hunde, Pferde – und Hühner.

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Fachkraft für tiergestützte Interventionen, Dr. Nadine Hennigs, hat den Status quo der tiergestützten Intervention in Deutschland unter die Lupe genommen. 192 Experten wurden ermittelt, 60 von ihnen haben an der Umfrage teilgenommen. 

Die in der Zeitschrift „tiergestützte“ veröffentlichten Ergebnisse enthalten viele gute Nachrichten: So haben mehr als 50 Prozent der Befragten schon über 15 Jahre Berufserfahrung im Feld der tiergestützten Interventionen, weitere 36,7 Prozent mehr als fünf Jahre. Die am häufigsten eingesetzten Tierarten sind Hunde, Pferde, Esel und Hühner. 

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in tiergestützter Pädagogik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen, weitere Einsatzfelder sind die Arbeit mit psychisch Kranken, Behinderten und Senioren. Emotionale und soziale Kompetenzen, Angst- und Stress-Abbau sowie Trauma-Bewältigung sind die vorrangigen Inhalte der tiergestützten Intervention. Besonders interessant: „Insbesondere wirken die Tiere auf die Klienten als Eisbrecher und Türöffner, die die grundsätzliche Therapiebereitschaft ganz wesentlich positiv beeinflussen“, stellt die Wissenschaftlerin fest.  

Doch die Umfrage förderte nicht nur positive Ergebnisse zutage: Nur knapp mehr als 50 Prozent der Befragten verfügen über ein systematisches Dokumentationsmanagement mit Protokollen, Fotos und Video – knapp über 20 Prozent halten eine systematische Dokumentation für unnötig.  Als problematisch empfunden werden die Finanzierung der Therapien, die Anerkennung der tiergestützten Intervention und die Qualitätssicherung des Berufsstandes. Dr. Hennigs zieht ein klares Fazit: „Gerade in einem Arbeitsfeld, das durch visionäre Pioniere geprägt wurde, ist eine konzeptionell-einheitliche Basis von großer Bedeutung – und angesichts der enormen Wirkpotenziale von tiergestützten Interventionen absolut wünschenswert.“   

Dr. Nadine Hennigs l info@remove-this.landgut-hennigs.de