Plädoyer aus der SchweizTiere als Sterbebegleiter

Eine schnurrende Katze bringt viele Menschen zur Ruhe. Foto: Pixabay-Sasquilian

Donnerstag, 20. September 2018

Heimtiere sollten öfter und intensiver in die Begleitung sterbender Menschen eingebunden werden als bisher. Das finden zumindest Michaela Thönnes und Dr. Nina R. Jakoby von der Universität Zürich.

In ihrer kürzlich bei Springer erschienenen Anthologie „Zur Soziologie des Sterbens“ widmen sich die Wissenschaftlerinnen unter anderem dem Thema „Tiere als Sterbebegleiter“. Dabei gelangen sie zu dem Ergebnis: „Tiere können als Ressourcen im Sterbeprozess betrachtet werden, da sie die Pflegetätigkeit des medizinischen Personals ergänzen und (…) die durch Angehörige und Personal nicht immer leistbaren rudimentären Bedürfnisse von Sterbenden nach Nähe, Vertrautheit und alltäglichen Gewohnheiten erfüllen.“

Die Autorinnen heben hervor, dass sich Sterbende mit Tieren in Situationen wiederfänden, die es ihnen erlaubten, sich ohne Verpflichtungen uneingeschränkt ablenken und unterhalten zu lassen. „Hierzu gehört beispielsweise eine zwanglose Kommunikation, ohne einen selbst entwickelten oder von außen wahrgenommenen Druck zu verspüren, Dinge zu besprechen, die mit der Sterbesituation (...) in Verbindung stehen“, so Thönnes und Jakoby. Insbesondere Personen mit eingeschränkten Ausdrucksmöglichkeiten wie demenziell erkrankte Menschen könnten von der nonverbalen, womöglich aber sehr intensiven Kommunikation mit Tieren profitieren.

Das Sterben in einer Institution werde oft gleichgesetzt mit sozialer Isolation, schreiben die Soziologinnen. Dem könnten Heimtiere entgegenwirken, denn sie hätten das Potenzial, Vertrautheit herzustellen und Sterbeprozesse neu zu definieren.

Universität Zürich l Soziologisches Institut l Michaela Thönnes l thoennes@remove-this.soziologie.uzh.ch