Buchtipp aus der Wissenschaft
„Menschen und Haustiere im Deutschen Kaiserreich“

Die Promotion beschreibt, wie Heimtiere im Kaiserreich zu Freunden des Menschen wurden. Foto: Transcript Verlag

Donnerstag, 04. Juli 2019

Haustiere wurden in der wilhelminischen Gesellschaft zu Freunden ihrer Halter. Inwiefern, das zeigt der Historiker Amir Zelinger in seiner als Monographie veröffentlichten Promotion.

Der Autor beschreibt die Industrialisierung und die damit verbundene Urbanisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Auslöser eines weitreichenden Wandels in der Mensch-Tier-Beziehung: Er legt dar, wie das Leben in engen städtischen Räumen kleinen Nutztieren wie Hühnern, Gänsen oder Ziegen zu großer Popularität verholfen hat. Auch Katzen und Hunde hätten in dieser Zeit enorm an Bedeutung als Weggefährten des Menschen gewonnen.

Der Versuch, die Zahl der Hunde ab 1876 durch die Hundesteuer zu beschränken, habe den gegenteiligen Effekt erzielt, erklärt Zelinger. Von nun an seien Hunde gerade wegen der Steuer als Teil der Gesellschaft angesehen – und prompt zu politischen Zwecken missbraucht worden.

So charakterisiert der Historiker in seinem streng wissenschaftlichen gehaltenen Werk die Rassehundezucht als „Plagiat aus dem sozialen Universum der Menschen“ zum Klassifizieren und Hierarchisieren.

Amir Zelinger l Menschen und Haustiere im Deutschen Kaiserreich. Eine Beziehungsgeschichte l Transcript Verlag l 404 Seiten l 39,99 Euro l ISBN 978-3-8376-3935-3