Hessen"Kühe vermitteln Ruhe und Entspannung"

Kühe sind völlig unterschätzte Partner in der tiergestützten Intervention, findet Marion Diekel, Co-Gründerin der "Initiative Lebenstiere". Foto: Julya Dünzl

Montag, 08. Oktober 2018

„Kein Tier hat den Status als Nutztier mit seinen fürchterlichen Folgen verdient“, findet Marion Diekel, Sozialpädagogin und Absolventin des Instituts für soziales Lernen mit Tieren. Zusammen mit Julya Dünzl hat sie vor einigen Jahren in Hessen die „Initiative Lebenstiere“ gegründet, die Kühe vor dem Schlachter und vor unwürdigen Lebensbedingungen rettet. Seitdem haben ihre Kühe ein gutes Leben und sind im Einsatz für psychosozial beeinträchtigte Menschen.

Mensch&Tier: Was qualifiziert die Kuh für ihren Einsatz in tiergestützten Interventionen?

Marion Diekel: Kühe strahlen Ruhe und Bedächtigkeit aus. Es sind sehr soziale Lebewesen, loyal gegenüber ihren Familien, ihrer Herde und menschlichen Gefährten. Viele Kühe sind anhänglich und lieben es, gekrault und gebürstet zu werden. Sie drücken mit ihrer Körperhaltung und ihren Stimmlauten ihre Emotionen deutlich aus. Die meisten Menschen verstehen diese Sprache intuitiv. Allein der Kontakt mit dem Tier durch Streicheln kann die Ausschüttung von Glückshormonen auslösen. So kann der intensive Kontakt mit einer Kuh körperliche und seelische Erkrankungen positiv beeinflussen.

Was können wir von Kühen lernen?

Insbesondere können Kühe Ruhe und tiefe Entspannung vermitteln. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit ihnen in ihrer Herde aber ein gewisses Reaktionsvermögen, eine gute Raum-Lage-Orientierung und Achtsamkeit. Aber auch Mut, Klarheit und Durchsetzungsvermögen sind gefragt, wenn sich mal eine andere Kuh dazwischen drängelt.

Für welche Klientel eignen sich Kühe besonders gut?

Insbesondere für Menschen mit Kommunikationsproblemen und verschütteter Empathie bietet sich eine intensive Zusammenkunft mit einer lieben, freundlichen Kuh an.

Wieso spielen Kühe in der tiergestützten Pädagogik bislang eine nachrangige Rolle?

Um Kühe artgerecht zu halten, sind viel Platz, viel Futter, ein großes legales Mistlager, ein guter Tierarzt und viel Fachwissen erforderlich. Die Tiere werden meist leider immer noch vor allem als lebensmittelliefernde Wesen gesehen. Man muss viele Vorschriften bei der Haltung von Kühen beachten. So benötigt man eine landwirtschaftliche Betriebsnummer und muss seine Kühe beim Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tiere und bei der Tierseuchenkasse anmelden. Um mit ihnen tiergestützt zu arbeiten, braucht man eine Genehmigung des Veterinäramts und einen entsprechenden Sachkundenachweis. All diese Voraussetzungen können nur wenige Sozialpädagogen und Therapeuten erfüllen.

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