Projekt aus Nordrhein-WestfalenKonzentrationstraining mit Meerschweinchen

Foto: Kerstin Martensen

Mittwoch, 08. Januar 2020

In der integrativen Kindertagesstätte Purzelbaum in Nordrhein-Westfalen unterstützen Meerschweinchen sozial-emotional auffällige Vor- und Grundschulkinder bei Konzentrationsübungen.

Felix* ist acht Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Im Unterricht fällt er oft durch seine fehlerhafte und ungenaue Arbeitsweise auf. Er ist unruhig und lässt sich leicht von seinen Mitschülern ablenken. Seit einigen Wochen nimmt er in der Kindertagesstätte Purzelbaum in Jülich-Broich an einem tiergestützten Konzentrationstraining mit Meerschweinchen teil.

Angeleitet wird das tiergestützte Projekt von Kerstin Martensen, Erzieherin für Jugendhilfe und zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Interventionen. In Kleingruppen und bei Bedarf auch in Einzelbetreuung übt sie mit Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren spielerisch, sich bei Lernaufgaben zu konzentrieren und Lösungswege zu erarbeiten.

Kinder wie Felix können über sechs Wochen zwei Mal wöchentlich an dem Projekt teilnehmen. Jede Einheit beginnt damit, dass die Schüler den Raum gemeinsam langsam und leise betreten – aus Rücksicht gegenüber den Meerschweinchen, die in einem großen Gehege mit Versteckmöglichkeiten sitzen. „Die Meerschweinchen belohnen die Kinder für rücksichtsvolles und ruhiges Verhalten mit Zutraulichkeit“, sagt Martensen. „Sie zeigen aber auch schnell Reaktionen bei aufkommender Unruhe und Disharmonie – damit sind sie ein guter Motivator für Kinder, um ihre Aktivitäten neben den Aufgaben zu drosseln.“

Das kommt der Konzentration und den Arbeitsergebnissen in der Förderstunde zugute. „Es ist zu beobachten, dass laute Kinder ruhiger werden und ängstliche Kinder mehr aus sich herauskommen“, erläutert Martensen. Ist eine Einzelbetreuung notwendig, so beginnt diese häufig direkt am Gehege der Tiere mit Gesprächen über eigene Tiererfahrungen und das eigene Verhalten. Nach einer Weile zeigen sich die meisten Kinder empathischer gegenüber Mitschülern und Tieren. „Die jungen Tierfreunde lernen, ihr Verhalten an der Reaktion der Meerschweine abzulesen“, berichtet die Erzieherin weiter.

So erging es auch Felix: Schon nach wenigen Wochen fällt Eltern und Lehrern auf, dass der Junge in der Schule motivierter bei der Sache ist und sich besser konzentrieren kann. 

*Name von der Redaktion geändert

Kerstin Martensen l kerstin_martensen@remove-this.web.de l www.4pfotentherapie.de