Interview„Hunde spüren, wie es depressiven Patienten geht“

Die fünf Hunde von Donatha Wölk sind speziell dafür ausgebildet, depressive Patienten in einer Klinik zu unterstützen. Foto: Therapiehunde Wölk

Donnerstag, 04. Juli 2019

Donatha Wölk im Interview: Die Sozialarbeiterin berichtet, wie sie mit ihren fünf Hunden Menschen mit schweren Depressionen in einer Klinik in Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.

Schätzungsweise vier Millionen Menschen, also fünf Prozent der Bevölkerung, leiden aktuell in Deutschland an einer Depression. Diese psychische Erkrankung kann zu anhaltend gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit, Schmerzzuständen und Suizidgedanken führen. Wer sich in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Röbel an der Müritz behandeln lässt, trifft dort auf Donatha Wölk und ihre fünf Hunde: Die ausgebildete Sozialarbeiterin und Fachkraft für tiergestützte Interventionen unterstützt seit 14 Jahren Patienten bei der Therapie.

Mensch & Tier: Frau Wölk, was ist das Besondere an der tiergestützten Intervention mit depressiven Patienten?

Donatha Wölk: Depressive Menschen sind sehr schwer zu motivieren. Zum Krankheitsbild gehört, dass sie in nichts mehr einen Sinn erkennen und sich oft vor Neuem fürchten. Deshalb hole ich die Patienten immer mit dem jeweiligen Hund auf ihrer Station ab, wenn eine tiergestützte Intervention ansteht. Ist nämlich ein Hund dabei, dann fällt es den Patienten leichter, mitzukommen. Das Tier versprüht Lebendigkeit und weckt bei vielen Interesse, wo vorher nur Antriebslosigkeit und Traurigkeit waren.

Wie läuft Ihre hundegestützte Intervention ab?

Gemeinsam mit der Klinikleitung habe ich für die gerontopsychiatrische Station ein eigenes Konzept entwickelt, das darauf abzielt, einen Zugang zu Menschen mit Depressionen zu finden und sie für Neues zu motivieren. Die Ärzte empfehlen ihren Patienten, an meinem Angebot teilzunehmen, weil der Hundekontakt eine sinnvolle und effektive Ergänzung zur übrigen Therapie ist. Oft buchen sie für einzelne Patienten sogar Einzelstunden bei mir. Normalerweise arbeite ich mit einem Hund und vier Patienten gleichzeitig. Am Anfang begrüßen die Hunde alle einzeln und zeigen kleine Tricks, um die Stimmung aufzulockern. Dann gibt es gemeinsame Spiele, die Hunde können gestreichelt, gebürstet oder spazieren geführt werden.

Wie stellen Sie sicher, dass es Ihren Hunden dabei gut geht?

Das ist im Umgang mit dem Krankheitsbild Depression tatsächlich ein sehr wichtiger Aspekt. Da ich täglich mehrere Stunden auf verschiedenen Stationen in der Klinik bin, werden meine fünf Hunde – drei Cavalier King Charles Spaniel, ein Husky und ein Irischer Wolfshund – immer abwechselnd eingesetzt. Da depressive Menschen sehr viel Schwierigkeit ausstrahlen, überlege ich immer genau, welchen Hund ich wohin mitnehme. Denn natürlich spüren die Tiere, wie es den Patienten geht.

Donatha Wölk l Am Burgberg 14 l 17209 Wredenhagen l 039 928 2273 l info@remove-this.therapiehunde-woelk.de l www.therapiehunde-woelk.de