StudieGesichtserkennung im Schweinestall

Schlaues Schwein: Die Tiere können sich einer Studie zufolge menschliche Gesichter gut einprägen. Foto: Messerli Forschungsinstitut

Freitag, 11. Januar 2019

Schweine verfügen über ein stärkeres visuelles Wahrnehmungsvermögen als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommen Hirnforscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien. 

Dass Schweine intelligente Tiere sind, hat die Forschung bereits festgehalten. So haben Studien ergeben, dass Schweine neugierig und lernfähig sind, ein gutes Langzeitgedächtnis haben und in der Lage sind, bei ihrem Gegenüber Erwartungen und Bedürfnisse festzustellen. Ein gut ausgeprägtes visuelles Wahrnehmungsvermögen wurde den Tieren jedoch eher abgesprochen.

Ein Team rund um den Kognitionswissenschaftler Prof. Dr. Ludwig Huber vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien wollte diese These nun auf den Prüfstand stellen. Ihre im Fachblatt „Applied Animal Behaviour Science“ veröffentlichte Studie liefert ein optimistisches Bild der sehtechnischen Wahrnehmungsfähigkeit der Schweine: Die Tiere konnten Fotos verschiedener menschlicher Gesichter und Hinterköpfe selbst nach Veränderungen voneinander unterscheiden. Das zeigt, dass Schweine wohl doch dazu in der Lage sind, sich visuell wahrgenommene Merkmale einzuprägen und entsprechend zu reagieren – also beispielsweise zu erkennen, wenn Menschen ihnen die kalte Schulter zeigen.

Für die Studie wurden zwei Gruppen von insgesamt 33 Schweinen auf die Unterscheidung des menschlichen Gesichts und des Hinterkopfes trainiert. Dabei wurden den Schweinen Fotos von verschiedenen Personen auf einem Monitor gezeigt. Die Gruppe „Gesicht“ erhielt eine Belohnung, wenn sie das Gesicht anzeigte; die Gruppe „Hinterkopf“ sollte die Rückansicht auswählen. Dieses Training war so erfolgreich, dass die Schweine auch weitere 80 Testaufgaben mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad – beispielsweise ein zur Seite gedrehtes Gesicht – gut meisterten.

Die Forscher schlussfolgern, dass die Tiere ihre Entscheidung aufgrund bestimmter Merkmale gefällt haben. „Speziell die Tiere, die auf den Hinterkopf trainiert wurden, könnten sich etwa die Augen als Unterscheidungsmerkmal eingeprägt haben und wählten deshalb das andere Bild“, sagt Huber. „Gleiches gilt für die Gruppe, die auf die Gesichter trainiert wurde. Fehlt das eingeprägte Merkmal oder ist verändert, werden sie eine andere Entscheidung treffen.“

Die Autoren der Studie regen nun visuelle Stimulation für Schweine in der Stallhaltung an, um ein wenig zum Wohlbefinden der Tiere beizutragen.

Veterinärmedizinische Universität Wien l Messerli Forschungsinstitut l Prof. Dr. Ludwig Huber l +43 1 25077 2680