Interview„Fische beruhigen verhaltensauffällige Schüler“

Foto: Katrin Rauber

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Im Klassenraum von Katrin Rauber steht ein Aquarium mit Platys, Guppys, Panzer- und Antennenwelsen sowie Garnelen. Außerdem leben dort Achatschnecken und Stabschrecken in Terrarien. Wie die Sonderpädagogin die Tiere im Unterricht sowie zur sozialen und kognitiven Förderung der Schüler einsetzt, hat sie Mensch & Tier berichtet.

Mensch & Tier: Frau Rauber, was sind die Vorteile von Aquarienbewohnern?

Katrin Rauber: Die Tiere haben einen beruhigenden Effekt auf verhaltensauffällige Schüler und helfen ihnen, Ängste, Spannungen und Aggressionen abzubauen. Wenn sie die Tiere beobachten – auch wenn es nur fünf Minuten sind – tauchen sie in eine fremde Welt ab. Die Schwimmbewegungen der Fische sind fließend und ruhig, diese Ruhe überträgt sich auf die Kinder. Außerdem fördert die Beschäftigung mit den Tieren die kognitiven Fähigkeiten. So beobachten wir gemeinsam, wie sich verschiedene Fischarten verhalten, wie sie miteinander umgehen und wie sich gruppendynamische Effekte entwickeln. Fragen wie „Wie wärst du als Fisch?“ rufen die Schüler zur Selbstreflexion auf.

Wie involvieren Sie die Tiere in den Unterricht?

Es lassen sich auf vielfältige Weise Verbindungen zwischen den Fächern und den Tieren herstellen: Im Kunstunterricht haben wir schon Fische gebastelt, gemalt und gefaltet. In unserem Projekt „Tiere vor der Linse“ werden die Meeresbewohner zum Fotomotiv. Im Deutschunterricht beschreiben die Schüler, wie sie das Aquarium reinigen. In der Mathestunde messen wir das Wasservolumen. Durch die Verbindung des Lehrinhalts mit dem Aquarium und dessen Bewohnern wird ein direkter Lebensweltbezug hergestellt – das verstärkt bei den Kindern die Motivation und das Interesse an den Schulfächern.

Welche Auswirkungen auf die Schüler beobachten Sie?

Neben den Aspekten der Beruhigung und der Selbstreflexion stärken die Kinder ihre Selbstwirksamkeitserwartung und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Bei der täglichen Versorgung sind soziale Kompetenzen gefragt, weil immer mindestens zwei Schüler gemeinsam Fischdienst haben. Als Dank erhalten wir regelmäßig Nachwuchs und können den Fischen und Garnelen schon seit mehreren Generationen beim Wachsen zusehen. Darüber hinaus lernen die Kinder den achtsamen Umgang mit Tieren. Und bei Traurigkeit oder Wut sorgt das Aquarium für willkommene Ablenkung!

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