StudieDogsharing für Menschen mit Behinderung

Harmonische Dogsharing-Partner: Labradorrüde Othello mit seinen beiden Familien. Foto: Hunde für Handicaps e. V. / Anna Senkel

Donnerstag, 04. Juli 2019

Der Labrador Othello lebt im Wechsel in zwei Haushalten – als Assistenzhund bei einem Mann im Rollstuhl und als Familienhund bei einem jungen Paar. Das einzigartige Pilotprojekt wurde auch wissenschaftlich begleitet.

Den Anstoß für das Projekt gab ein Berliner mit einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems. Der Mann sitzt im Rollstuhl, hat oft Schmerzen und fühlt sich sozial isoliert. „Ich wünschte mir einen eigenen Hund, der mir Gesellschaft leistet und kleine Dinge für mich tut, wie das Aufheben von heruntergefallenen Dingen“, berichtet der Berliner. „Ich war mir aber nicht sicher, ob ich ihm aufgrund meiner Erkrankung ein Leben lang gerecht werden kann.“ Seine Anfrage beim Berliner Verein Hunde für Handicaps, der Assistenzhunde für Menschen mit Behinderung ausbildet, brachte das Projekt ins Rollen. „Aus tierschutzethischen Gründen geben wir ausgebildete Assistenzhunde aber nur an Menschen mit Behinderungen, die in der Lage sind, den Hund täglich verlässlich zu versorgen“, sagt die Vorstandsvorsitzende Sabine Häcker.

Die Idee des Dogsharing lag also auf der Hand. Im Fall des Berliners fand sich ein junges Paar, das sich ebenfalls einen Hund wünschte. Aufgrund von Vollzeitarbeitsstellen hätten sie diesen aber tagsüber nicht versorgen können. Mit dem Einzug des vierjährigen Labrador Retrievers Othello in die beiden Berliner Haushalte startete im August 2017 das Pilotprojekt: Das Paar bringt den Hund morgens und holt ihn abends wieder ab. Der Dogsharing-Partner mit Behinderung hat den Rüden tagsüber bei sich und profitiert von kleinen Hilfe­leistungen wie Apportieren sowie dem Anreiz, das Haus mit dem Hund zu verlassen. „Seitdem Othello tagsüber bei mir ist, komme ich öfter vor die Tür und habe mehr Kontakt zu anderen Menschen“, berichtet der Berliner. „Mein Leben ist trotz des Fortschreitens meiner Erkrankung viel lebenswerter als ohne Hund.“

Die wissenschaftliche Begleitung durch eine Psychologin der Ludwig-Maximilians-Universität München belegt die positiven Effekte des Modells: Leitfadengestützte Interviews zeigten Verbesserungen hinsichtlich der Lebenszufriedenheit, des Wohlbefindens sowie der Selbstwirksamkeit bei beiden Dogsharing-Parteien. Bei dem körperlich eingeschränkten Mann ergaben Bewegungstests zudem, dass er durch den Umgang mit dem Hund innerhalb eines Jahres deutlich beweglicher geworden war.

Kontakt: Hunde für Handicaps l 030 294 920 00 l info@remove-this.hundefuerhandicaps.de l www.hundefuerhandicaps.de