Interview„Bienen haben eine Brückenfunktion in der Jugendarbeit“

Der Sozialpädagoge Sebastian Rolke und seine Bienen unterstützen gemeinsam sozial benachteiligte Jugendliche. Foto: Sebastian Rolke

Montag, 06. Juli 2020

Der Sozialpädagoge Sebastian Rolke hat für seine tiergestützte Jugendarbeit ein Wildtier gewählt, das sich weder trainieren noch zähmen lässt: die Honigbiene. Im Interview erklärt er, welche Funktion die Bienen bei seiner Arbeit übernehmen. 

Herr Rolke, wie sind Sie darauf gekommen, Ihre Arbeit mithilfe von Honigbienen zu machen?

Ich bin Imker und als Sozialpädagoge in der Jugendhilfe tätig. Über die Imkerei und den Umgang mit Bienen wollte ich einen Zugang zu besonders schwierigen Jugendlichen finden. Das Besondere daran ist, dass die Arbeit mit den Bienen und das imkerliche Handeln zunächst im Vordergrund stehen und ich so meinen Klienten zunächst ausschließlich auf einer Sachebene begegne. Oft kann ich auf diese Weise dann auch eine emotionale Ebene entwickeln und eine Beziehung aufbauen. Damit bin ich in der Lage, sie nachhaltig bei Problemlösungen zu unterstützen.  

Welche Effekte haben die Bienen auf ihre Klienten?

Viele Jugendliche finden die Imkerei relativ exotisch, das wird meist positiv besetzt. Das Hineingehen in den Bienenstock setzt Emotionen frei, mit denen sich die Jugendlichen auseinandersetzen müssen. Sie entscheiden, wie weit sie sich den Bienen nähern und welche Tätigkeit sie übernehmen möchten rund um die Imkerei. Das sind niedrigschwellige Tätigkeiten, die schnell sichtbare Erfolge mit sich bringen, etwa das Leeren der Waben oder das Vorbereiten der Rähmchen. Ich als Imker kenne das Verhalten der Bienen und merke, wenn sie unruhig werden. Ich weiß dann, dass der Jugendliche nicht bei der Sache ist – warum auch immer. Indem ich das Verhalten der Bienen erläutere, biete ich an, dass der Klient seine eigenen Emotionen und Reaktionen analysiert. Die Bienen haben damit für mich eine Brückenfunktion im Hinblick auf den Zugang zu den Klienten.  

Was muss zum Schutz von Tieren und Klienten beachtet werden?

Die Klienten dürfen keine Allergie gegen Bienenstiche haben – wobei es in meinen Settings in den vergangenen acht Jahren nur einmal vorgekommen ist, dass eine Biene gestochen hat. Die Jugendlichen erhalten einen Stichschutzanzug, Lederhandschuhe und einen Kopfschleier. Vor dem ersten Bienenbesuch werden Regeln festgelegt, etwa dass man sich nicht vor das Flugloch stellen darf. Ich stehe im Umgang mit den Bienen so dicht beim Klienten, wie er es möchte, und beobachte die Tiere – so kann ich erkennen, wenn sie ihr Verhalten ändern und sofort entsprechend reagieren.

meise3 - Tiergestützte Pädagogik & Förderung l Sebastian Rolke l info@meise3.de l www.meise3.de