Beitrag Mensch&Tier

Foto: Gut Elm

Mittwoch, 14. April 2021

Im bayerischen Zentrum für Tiergestützte Intervention M.U.T.I.G. - Mensch und Tier in Gemeinschaft - liegt ein Fokus auf tiergestützter Arbeit in der Herde. Rund 40 verschiedene tierische Helfer sollen Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen unterstützen.

Wenn sich die vier Schafe im Freigehege des Guts Eschenlohmühle auf Pascal zubewegen, ihn schließlich umrunden und beschnuppern, hat der 35-Jährige ein Lächeln im Gesicht und strahlt Ruhe aus. Das sind seltene Momente in Pascals Leben. Sein Stresslevel ist oft zu hoch und führt im Alltag dazu, dass er Dinge tut, die ihm schaden.

„Dass die Schafe ihn als Teil der Herde betrachten, zeigt mir, dass es Pascal heute gelungen ist, seinen Stress zu erkennen und zu senken“, sagt die Diplom-Gesundheitspädagogin und Fachkraft für tiergestützte Intervention, Jana Klöck. „Um seine innere Anspannung zu reduzieren besprechen wir, warum die Herde seine Nähe anfangs nicht zugelassen hat und wie er dies ändern kann. Wir entwickeln Ideen, um die Neugier der Tiere zu wecken, und ich lenke Pascals Fokus auf sich selbst und seine Wirkung auf andere.“

Im Zentrum für Tiergestützte Intervention M.U.T.I.G., vor drei Jahren von den Schwestern Silvia Adani und Alexandra Passolt gegründet, wird wann immer möglich im Herdenverband gearbeitet – etwa mit Schafen oder Miniaturpferden. Jede Tierart hat ein Areal mit drei Bereichen: Ruhebereich für die Tiere, Begegnungsbereich für Mensch und Tier und Ruhebereich für den Menschen. „Unsere Tiere sind Fluchttiere. Statt sie mit Futter zu locken, wollen wir sie neugierig machen und eine entspannte Atmosphäre schaffen“, sagt Jana Klöck. „Wir helfen den Klienten, sich so zu entspannen, dass die Tiere die Scheu verlieren und freiwillig, voller Vertrauen, zu ihnen kommen – am Ende als ganze Herde.“

„Aktuell haben wir viele Anfragen aus dem sozial-emotionalen Spektrum bei Kindern“, berichtet Silvia Adani. Jana Klöck ergänzt: „Viele Kinder, die hierher kommen, haben Probleme, Grenzen zu akzeptieren und überschreiten diese. Beispielsweise laufen sie hektisch auf die Minipferde zu – die sofort in ihren Ruhebereich flüchten. Statt die Kinder zu ermahnen, können wir ihnen durch die Reaktion der Tiere ihr Verhalten sehr gut spiegeln. Und die Erfolge, die die Kinder dann durch das Näherkommen der Tiere erleben, lassen sich gut auf zwischenmenschliche Beziehungen übertragen.“

M.U.T.I.G. gGmbH – Mensch und Tier in Gemeinschaft l Gut Eschenlohmühle l mutig@remove-this.gut-elm.dewww.wir-sind-mutig.de