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Reif für den Rückzug? Das Thema wird nun erstmals für Begleithunde erforscht. Foto: © iStock / Halfpoint

Montag, 11. Juli 2022

Wann der Hund in Rente muss

Schulhunde, Therapiebegleithunde, Assistenzhunde – in vielen Bereichen haben sich Vierbeiner als Co-Therapeuten und wertvolle Unterstützer etabliert. So nimmt auch die Zahl der ausgebildeten Hunde zu, die nach menschlichem Ermessen das Rentenalter erreicht haben. Der Frage, ob, wann und wie ein Tier aus seinem Job in den Ruhestand gehen sollte, ist ein Forscherteam aus den USA nachgegangen.

Der Rückzug aus dem Berufsleben markiert für Menschen den Anfang eines neuen Lebensabschnitts mit Zeit für Ruhe und Erholung. Auch Hunde, die jahrelang im Dienst des Menschen tätig waren, kommen irgendwann an diesen Punkt. „Das Konzept des Ruhestands oder des Ausscheidens des Tieres aus dem Arbeitsleben ist ein wichtiger Lebensabschnitt, den jedes Therapietier unweigerlich erleben wird“, resümiert das Forscherteam um den Psychologen Dr. Aubrey H. Fine und den Veterinärmediziner Zenithson Y. Ng im Fachjournal „Animals“. Dennoch fehle es nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den Hundehaltern an einem Bewusstsein hinsichtlich der Pensionierung der eingesetzten Tiere: „Fragen, die das Wohlergehen von Tieren und die Erhaltung der Lebensqualität von Therapietieren betreffen, haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Dem Ruhestand wurde jedoch im Hinblick auf das Wohlergehen wenig Aufmerksamkeit geschenkt.“

Da keine evidenzbasierten Studien vorliegen, wann ein Therapiebegleithund idealerweise vom Berufsleben zur Rente übergehen sollte, sei es umso wichtiger, diesen Prozess sorgfältig abzuwägen. Schließlich könne der Hund nicht selbst sagen, wann er in den Ruhestand gehen möchte. Da für viele Menschen tiergestützte Aktivitäten nicht mehr aus der therapeutischen Praxis wegzudenken sind und einen fundamentalen Beitrag zur Lebensqualität leisten, zieht das Forscherteam den Schluss, es sei „unsere moralische und ethische Verantwortung, das Wohlergehen und die Gesundheit der Tiere von Anfang bis Ende mitzudenken“.

Als Anhaltspunkt nennt die Studie ein Alter von zehn bis zwölf Jahren, in dem Hunde in den Ruhestand gehen sollten. Natürlich sei dies aber abhängig von der Rasse und dem individuellen Gesundheitszustand. Ebenso wie beim Menschen sollte auch der Ausstand eines Hundes würdig gestaltet werden: „Der letzte Besuch des Hundes bei Klienten sollte eine Gelegenheit sein, sich für die Arbeit des Tieres zu bedanken. Den Teilnehmern können Erinnerungsstücke wie Fotos des Tieres oder Grußkarten des Teams zum Abschied überreicht werden“, schlägt das Forscherteam vor.

Kontakt: University of Tennessee College of Veterinary Medicine | Department of Small Animal Clinical Sciences Zenithson Y. Ng | zng@remove-this.utk.edu