Beitrag Mensch&Tier

Dienstag, 14. Januar 2014

Wenn Elisabeth Mann mit ihren vier Ratten einen Klassenraum betritt, sind die Reaktionen oft heftig. „Ihhh, eine Ratte“ heißt es dann oder „Übertragen die nicht Krankheiten?“. Umso heftiger die Reaktion anfänglich ausfällt, umso besser ist es für das Lernziel der Sozialpädagogin mit den Zusatzqualifikationen Umweltpädagogin und Fachfrau für tiergestützte Pädagogik.

„Kaum ein Tier eignet sich so gut, um das Thema Vorurteile zu besprechen“, sagt Mann. Denn wenn sich die Schüler erst einmal mit den Ratten beschäftigt haben, betrachten sie die Nagetiere mit anderen Augen. „Kinder, aber auch Erwachsene, erkennen meist schnell, wie wunderbar Ratten sind – sehr sozial, klug, reinlich, zahm – also ganz anders als die Bilder, die man von ihnen im Kopf hat“, sagt Mann.

So erkennen die Schüler, dass Vorurteile kein guter Ratgeber sind und sich diese Einsicht auch auf Menschen und gesellschaftliche Gruppen übertragen lässt. Der pädagogische Nutzen von Ratten ist aber noch vielfältiger: In ihren Kursen an Grundschulen und anderen Bildungseinrichtungen arbeitet Elisabeth Mann mit Kleingruppen. In der ersten von meist sechs Stunden lernen die Kinder, welche Regeln im Umgang mit den Tieren gelten.

„Sie dürfen die Tiere nicht festhalten oder hochnehmen, außerdem muss natürlich Ruhe und entspannte Stimmung herrschen, damit die Ratten zutraulich werden“, sagt die Frankfurterin. Wenn die Tiere in der nächsten Stunde mitkommen, bauen die Schüler eine Landschaft aus Decken und Gegenständen, die den Ratten bereits vertraut sind. Jedes Tier wird mit seinen Charaktereigenschaften vorgestellt. Wer möchte, darf sich eine Ratte als Vertrauensübung über den Rücken laufen lassen.

Durch den Tierkontakt lernen die Schüler, die Bedürfnisse anderer Lebewesen zu erkennen und zu benennen, Rücksicht zu nehmen und ihre Impulse zu kontrollieren.
„Die Tiere helfen den Kindern zudem, sich zu konzentrieren und miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Mann. „Oft sind sie auch eine Motivationshilfe für die nächste Übung, zum Beispiel Memory mit Rattenbildern spielen oder Lückentexte lesen.“ In der Abschlussrunde sollen die Schüler benennen, was sie während der
Stunde besonders gut gemacht haben. „Das stärkt nicht nur den freundlichen Umgang der Schüler miteinander, sondern auch das Selbstvertrauen.“

Kontakt:
Elisabeth Mann
www.elisabeth-mann.de