Beitrag Mensch&Tier

Montag, 07. Dezember 2009

Heimtiere haben eine wesentliche, vielfach zentrale Bedeutung für ihre Besitzer – sowohl in deren emotionaler Bindung an das Tier als auch in der Bedeutung des Tieres bei der alltäglichen Lebensgestaltung. Daraus ergeben sich zum Teil erhebliche Trauerreaktionen beim Verlust des Tieres. Mensch&Tier sprach mit Prof. Dr. Tanja Hoff über entsprechende Krisensituationen und deren Bewältigungsstrategien bei Verlust des Heimtieres.

Für viele Heimtierbesitzer ist der Verlust ihres Tieres eine hohe emotionale Belastung. Welches sind die „typischen“ Trauerreaktionen bei Heimtierhaltern?

In Studien speziell zu Heimtierhaltern, die ein Tier verloren haben, zeigt sich, dass sich diese häufig intensiv mit dem Verlust beschäftigen, sich auch intensiv von Erinnerungsstücken oder -orten an das Tier angezogen fühlen und den Verlust des Tieres als den Verlust eines persönlich hoch bedeutsamen Wesens empfinden. Typische und häufige emotionale Reaktionen sind Benommenheit und Ungläubigkeit angesichts der Endgültigkeit des Heimtiertodes; zu beobachten sind Weinen, depressive Gefühle, Einsamkeits-, aber auch Schuldgefühle.

Wie wirkt sich die Intensität der Bindung zu dem Tier auf die Trauer aus?

Trauerreaktionen treten tatsächlich insbesondere bei solchen Heimtierhaltern auf, die eine sehr intensive emotionale Beziehung zu ihrem Tier hatten, aber auch wenn der Verlust des Tieres unerwartet auftrat. Die intensive Mensch-Tier-Beziehungsqualität hat sich auch für die gesundheitlichen und sozialpsychologischen Auswirkungen einer Mensch-Tier-Beziehung als hochbedeutsam erwiesen und dies zeigt sich auch in der Forschung zum Thema Verlust eines Heimtieres.

Trauern bestimmte Gruppen von Menschen, wie zum Beispiel Männer und Frauen, Alte und Junge, allein und in Beziehungen Lebende, unterschiedlich?

Speziell beim Heimtierverlust berichten Studien, dass Frauen und Mädchen deutlich häufiger von intensiven Trauerreaktionen wie Weinen, Schuld-, Schmerz- und Einsamkeitsgefühlen sowie Appetitverlust betroffen sind als Männer und Jungen. Frauen und Mädchen erleben den Verlust auch stärker als verstörend und belastend. Allerdings kommunizieren Frauen und Mädchen auch generell häufig stärker ihre Gefühle, sodass dies nicht zwangsläufig auf eine geschlechtsspezifische Reaktion speziell beim Verlust eines Heimtieres schließen lässt.

Welche Wege der Verarbeitung finden die Menschen?

Insgesamt setzt eine erfolgreiche Trauerbewältigung voraus, dass Trauernde insbesondere nach der ersten „Schockphase“ einen ständigen Wechsel zwischen der Bewältigung des emotionalen Verlustes und der Bewältigung der Alltags- und Lebensstilveränderungen vollziehen können. Ist dies nicht der Fall drohen anhaltende somatische wie auch psychische Krankheitssymptome, ebenso die absolute Verdrängung des Verlusts. Für Trauernde stellen sich folgende Aufgaben, um eine adäquate nicht-pathologische Trauerbewältigung zu erreichen: Akzeptanz des Verlusts als Realität, Erfahren des Trauerschmerzes, Anpassung an eine Umwelt, in der das verstorbene Tier fehlt und Verlagerung der Gefühle und emotionalen Energie vom verstorbenen Tier und dessen Verlust hin zu anderen Beziehungen.

Prof. Dr. Tanja Hoff (geb. 1970 in Köln) ist Professorin für Psychologie und Leiterin des Kontaktstudiums Tiergestützte Pädagogik und Therapie an der Evangelischen Hochschule Freiburg (www.researchaat.de). Ihre Forschungsschwerpunkte sind die interkulturelle, Kommunikations- und Gesundheitspsychologie sowie Psychologische Interventionsforschung. Frau Prof. Hoff ist zudem Systemische Familientherapeutin und Psychologische Psychotherapeutin i. A. (Verhaltenstherapie) und verfügt über  langjährige Berufserfahrung in klinischer Beratung und Therapie für Erwachsene, Paare und Familien.

Kontakt:
Prof. Dr. Tanja Hoff,
Evangelische Hochschule Freiburg,
hoff@remove-this.eh-freiburg.de