Beitrag Mensch&Tier

Freitag, 14. November 2014

Die Heilpädagogin Claude Kohll beschäftigt sich seit 2008 mit Schafen im tiergestützten Einsatz. Dazu gehört auch die Arbeit mit traumatisierten Jugendlichen in Kooperation mit einer Schäferei in Rheinland-Pfalz. Sie schätzt die wolligen Vierbeiner unter anderem als Lehrer in Sachen Gruppenzusammengehörigkeit.

Frau Kohll, was können Jugendliche von Schafen lernen?

Der Aufenthalt in einer Schäferei schafft ein Arbeitsumfeld, wo Jugendliche neue und ganz andere Erfahrungen machen können. Der Kontakt zu einer lebendigen Welt in der Natur inspiriert Kopf, Herz und Hand; die Arbeit mit den Tieren ermöglicht Körpererfahrung, Emotionalität und soziale Interaktion – beispielsweise, wenn eine Schafherde von einer Weide auf die andere gebracht werden soll.

Welche Fähigkeiten wollen Sie damit fördern?

Neben der rationalen und der praktischen Intelligenz – zum Beispiel Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen – wird ebenso die emotionale Intelligenz gefördert. Bei der Führung einer Schafherde ist es wichtig, intuitiv handeln und das Empfinden von Schafen und Schäfer erkennen zu können – und auch angemessen darauf zu reagieren.

Warum setzen Sie dafür ausgerechnet Schafe ein?

Schafe sind Herden- und Fluchttiere und zeigen ein starkes Gruppenverhalten.

Traumatisierten Jugendlichen kann dieses Verhalten die Vorteile einer Gemeinschaft klarmachen. Sie erfahren nicht nur bei der Herde, sondern auch bei ihren menschlichen Begleitern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Ohne Teamgeist wäre es sehr schwer, eine Schafherde zu bewegen.

Wie oft und wie lange kommen die Jugendlichen in die Schäferei?

Dies hängt sehr von den einzelnen Projekten und den individuellen Zielen der Jugendlichen ab. Möglich sind sowohl Tagesbesuche als auch größere Projekte über mehrere Tage mit Übernachtungen in einem Zeltlager. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Jugendlicher einige Wochen lang eine Art Praktikum in der Schäferei machen konnte.

Kontakt: Claude Kohll l claudekohll@icloud.com

Foto: © Claude Kohll