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Montag, 07. Juli 2025

Nachholbedarf in der Mensch-Tier-Forschung

Viele Studien liefern positive Ergebnisse zur gezielten tiergestützten Interaktion, haben aber methodische und inhaltliche Schwächen. Eine Literaturrecherche an der kanadischen University of British Columbia zeigt den Bedarf für mehr wissenschaftliche Standards.

Die Wissenschaft zur Mensch-Tier-Beziehung ist ein vergleichsweise junger Zweig und steckt noch in den Kinderschuhen. Auch wenn immer wieder spannende Effekte belegt werden können, gibt es noch viele weiße Flecken auf der Forschungslandkarte. Mit Studien rund um das Thema, wie effektiv die tiergestützte Intervention soziale und emotionale Fähigkeiten fördert, hat sich nun der Masterstudent Melvin Chin-Hao Chan in puncto methodische Belastbarkeit befasst. Betreut wurde Chans im Fachmagazin „Anthrozoös“ veröffentlichte Arbeit von der Psychologieprofessorin Dr. Kimberly Schonert-Reichl sowie dem Pädagogikprofessor Dr. John-Tyler Binfet von der University of British Columbia. 

Zunächst hatte Chan drei akademische Datenbanken nach entsprechender Literatur aus den Jahren 1990 bis 2020 systematisch durchsucht. Aus den Literaturlisten der so gefundenen Artikel wurden dann passende Beiträge herausgefiltert. Das Ergebnis waren 3.618 Studienartikel. Davon wurden 28 in die Überblickstudie übernommen, die eine methodische Bandbreite abdeckten. Dort kamen beispielsweise verschiedene Tiere zum Einsatz – am häufigsten Hunde, Pferde und Wildvögel. Ebenso unterschieden sich die Untersuchungsrahmen. Laborstudien waren dabei ebenso wie Beobachtungen im tatsächlichen Schul- oder Behandlungsumfeld, draußen wie drinnen. 

Mehr methodische Strenge in der Mensch-Tier-Forschung

Als Fazit der Betrachtung mahnen die Autoren zu mehr methodischer Strenge sowie mehr stichhaltigen, objektiv messbaren Beweisen und weniger Inkonsistenzen in der Erfassung demografischer Informationen zu den beteiligten Menschen und Tieren. Ein wichtiges Kriterium sei auch eine Kontrollgruppe, die bislang in zu wenig Studien etabliert würde. 

Des Weiteren kritisierte Chan, die ausgewerteten Studien würden häufig kaum darauf eingehen, wie genau die jeweils untersuchten tiergestützten Programme in die jeweiligen Betreuungs- oder Behandlungsstrukturen und Abläufe eingeführt wurden und mit welchen Zielvorgaben. Auch dies könne Einfluss auf die Ergebnisse des Programm- und Studienverlaufs nehmen. Nicht zuletzt käme auch die Betrachtung des Tierwohls oft zu kurz. 

Die Forscher rufen daher zu stringenteren Evaluationen auf Basis von mehr verlässlich validierten Daten auf: Künftige Arbeiten sollten einen verlässlicheren Standard entwickeln, was Studien vergleichbarer und damit belastbarer machen würde. 

University of British Columbia l Melvin Chin-Hao Chan l melvinchan@remove-this.alumni.ubc.ca