Beitrag Mensch&Tier

Freitag, 16. Januar 2015

Die Biologin Cornelia Drees macht seit zwölf Jahren Besuche in Seniorenheimen, psychiatrischen Kliniken, Kindergärten und anderen Institutionen in Niedersachsen und Bremen. Die zuverlässigsten Mitarbeiter unter den sieben Tierarten, die sie einsetzt: Meerschweinchen.

Frau Drees, was schätzen Sie so an Ihren neun Meerschweinchen?

Meerschweinchen sind einfach großartig in unterschiedlichen Formen tiergestützter Interventionen und gehören deshalb zu meinen besten Mitarbeitern. Sie haben viele Eigenschaften, die sie zu optimalen Besuchstieren machen: Sie sind von Natur aus Halbnomaden, bleiben also gern da, wo es Futter gibt und sie sich wohlfühlen. Sie sind anpassungsfähig und kommen mit vielen Situationen zurecht. Auch mit Temperaturunterschieden: Es stört sie nicht, wenn in manchen Seniorenheimen sehr gut geheizt ist. Zudem kommunizieren sie viel über Quietsch-, Zwitscher- und Brummlaute, die leicht interpretierbar sind, und gehen gern in Blickkontakt.

Aber sicherlich sind sie nicht so anschmiegsam wie zum Beispiel ein Hund.

Doch, sie genießen es sehr, sich streicheln und kraulen zu lassen. Wenn sie sich wohlfühlen, machen sie sich ganz lang – ein schöner Effekt, der auch bei den Menschen zu Entspannung führt. Zudem kann man sie nahezu endlos mit Grashalmen und Kräutern füttern. Das ist nicht nur eine tolle motorische Übung, sondern bringt einen Menschen, der sich selbst als schwach und hilfebedürftig erlebt, in eine wohltuend starke Position. Nicht zuletzt ist der große Vorteil der Meerschweinchen, dass ich mehrere Tiere mitbringen kann. So kann jeder ein Tier auf den Schoß nehmen, keiner muss verzichten. Das kann für Menschen mit Verlusterfahrungen sonst bitter sein. Natürlich ist auch ein Meerschweinchen kein Allheilmittel. Aber erstaunlich viele Menschen, egal ob jung oder alt, ob stark oder schwach, tanken Entspannung und Freude in so einer gemütlichen Zweisamkeit.

Was ist Ihr Job dabei?

Es ist meine Verantwortung, für das Wohlbefinden meiner Meerschweinchen einzustehen. Ich sorge dafür, dass sie sich sicher fühlen. Dazu gehört auch, dass ich die Einzige bin, die sie hochhebt und bequem auf den Schößen der Menschen platziert – übrigens mit einer wasserdichten Decke, falls mal ein kleines Malheur passiert. Und ich wähle die Tiere je nach Einsatz aus: Zu einem Parkinson-Patienten oder einem behinderten Menschen, dessen Stimmung sich schnell verändern kann, nehme ich nur erfahrene und fitte Tiere mit. Aber auch meine älteren Tiere lieben ihre Einsätze bei den Besuchsdiensten. Deshalb schicke ich kein gesundes Tier in Rente.

Kontakt: Tiere helfen l Cornelia Drees l Im Schluh 23 27726 Worpswede l 04792-9544898 l post@cornelia-drees.eu l

www.tiere-helfen.eu

Weitere Informationen zu verhaltensbiologischen Erkenntnissen über Meerschweinchen liefert beispielsweise die Forschung des Verhaltensbiologen Prof. Dr. Norbert Sachser von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Foto ©: Cornelia Drees