Beitrag Mensch&Tier

Donnerstag, 10. Juli 2014

Seit einem Vierteljahrhundert setzt die Diplom-Psychologin und niedergelassene Psychotherapeutin Regina Lessenthin in ihrer Praxis Katzen ein. Als Pionierin auf diesem Feld verarbeitet sie ihre Erfahrungen jetzt in einer Doktorarbeit. Darin will sie belegen, dass der Einsatz von entsprechend konditionierten Katzen in Psychotherapien einen schnelleren Behandlungserfolg ermöglichen kann.

MENSCH & TIER: Frau Lessenthin, für wie hilfreich halten Sie Katzen als Therapiebegleittiere?

Regina Lessenthin: Meine Katzen bestätigen viele der Effekte, die die Wissenschaft Heimtieren bescheinigt: Ihre Anwesenheit sorgt für eine entspannte, ungezwungene Atmosphäre. Katzen sind wahre Entspannungsmeister – allein, sie zu beobachten, beruhigt. Auch ihr Schnurren hat eine entschleunigende Wirkung auf die Patienten, das Streicheln der Tiere ebenso. Die Katzen fungieren buchstäblich als „Eisbrecher“ und unterstützen mich dabei, einen Zugang zu meinen Patienten zu finden. Zudem nehmen viele Menschen im Umgang mit den Tieren schneller eigene Verhaltensweisen wahr.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Meine Katzen bewegen sich frei im ganzen Haus und im Garten. Oft kommen sie ins Praxiszimmer, wenn ich im Gespräch mit Patienten bin. Einmal saß ich mit einer Frau zusammen, die von ihrem Ehemann verlassen worden war und sich mit ihren Kindern überfordert fühlte. Sie versuchte, alle Tiere mit Leckerlis zu füttern und lehnte sich vor, um eine weiter weg sitzende Katze zu erreichen. Dabei rutschte ein anderes Tier von ihrem Schoß - und alle Katzen stieben davon. Die Patientin brach in Tränen aus und sagte: „So ist das immer! Ich versuche es allen recht zu machen und am Ende sitze ich alleine da.“ Diesen Durchbruch hätten wir ohne die Katzen wohl nicht so schnell erreicht.

Bei welchen Themen halten Sie die Anwesenheit der Tiere für besonders sinnvoll?

Manchmal rufe ich eine oder mehrere Katzen aktiv dazu, wenn ich bestimmte Dinge erklären will. Das funktioniert beispielsweise bei Patienten mit Ängsten oder Traumata gut. Die Menschen erkennen sich in den Tieren wieder und sind eher bereit, Einsichten auf sich selbst zu übertragen. So ist es auch von Vorteil, dass ich mehrere Tiere aus dem Tierheim geholt habe, denen beispielsweise ein Körperteil oder ein Auge fehlt. Wenn die Klienten beobachten, wie die Tiere mit ihrer Andersartigkeit umgehen, fällt es ihnen zuweilen leichter, die eigenen Schwächen zu akzeptieren.

Kontakt: Psychologische Praxis Dipl.-Psych. Regina Lessenthin l Otto-Hahn-Str. 10 71726 Benningen l 07144/18001 l www.lessenthin.de regles@t-online.de