Beitrag Mensch&Tier

Dienstag, 20. Oktober 2015

Im Klinikum München-Harlaching setzen Neuropsychologen erfolgreich auf hoppelnde therapeutische Unterstützung für schwer kranke Menschen.  

 
Die Patienten der Station für neurologische Frührehabilitation am Klinikum Harlaching leiden unter schweren Erkrankungen: Viele erholen sich von Schlaganfällen, andere haben Lähmungen nach Unfällen oder Hirnschäden nach einer Reanimation. Sie alle sind stark immungeschwächt, oft halbseitig gelähmt und müssen grundlegende Bewegungen wieder erlernen.

Die Neuropsychologin Dr. Stefanie Böttger setzt dabei auch auf den Einsatz von vier Kaninchen, die als Besuchstiere auf die Station kommen. Sie werden Patienten auf den Schoß oder die Bettdecke gesetzt und für motorische Übungen wie streicheln, bürsten oder füttern genutzt.

Von der Wirkung der tiergestützten Therapie ist die Neuropsychologin überzeugt: „Die Kaninchen können durch ihren emotional attraktiven Reiz etwas erreichen, was anderen Therapien nicht gelingt“, sagt Dr. Böttger. „Viele Patienten können auf eine Aufforderung wie ‚Drücken Sie mal meine Hand‘ nicht willkürlich reagieren. Sitzt aber ein Kaninchen auf ihrem Bett, bewegt sich die Hand spontan zu dem weichen Fell.“ Ähnliche Effekte beobachtet sie auch bei Kranken mit Neglect-Syndrom, bei dem das Gehirn eine Hälfte des Blickfeldes ausblendet und die Patienten es selbst nicht merken. Rückt ein Tier aber auf der betroffenen Seite ins Blickfeld, nimmt der Patient es plötzlich wahr.

Diese Effekte haben die Ärzte und Neuropsychologen der Station bereits 2010 in einer funktionellen Kernspinstudie nachgewiesen. Die Resultate: Schwerkranke Patienten reagierten auf Videos von den Kaninchen wesentlich besser als auf Computerspiele, die eigens für die Therapie entwickelt wurden. Tierkontakt steigerte demnach die Hirnaktivität in Bereichen, die für Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motivation und positive Gefühle zuständig sind.

Foto: © Dr. Stefanie Böttger