Beitrag Mensch&Tier

Dienstag, 28. September 2010

Menschen, die an chronischer Schizophrenie leiden, sind oftmals in ihrem Sozialverhalten stark gestört. Dies führt mitunter dazu, dass sie dauerhaft in Pflegeeinrichtungen untergebracht werden müssen. Wissenschaftler der Saint John of God`s Research and Teaching Foundation, Spanien, untersuchten nun in einem Psychiatrischen Krankenhaus, wie sich die Anwesenheit eines Hundes während der Therapiesitzungen auf Schizophrenie-Patienten auswirkt.

Für die Studie wurden per Zufallsprinzip aus allen Patienten 24 Teilnehmer ausgewählt, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die Therapie (Integrated Psychological Treatment nach Brenner, 1994) der ersten Gruppe fand mit einem Therapiehund statt, die der zweiten Gruppe ohne. Insgesamt wurden jeweils 25 Sitzungen à 45 Minuten (2 Sitzungen pro Woche) durchgeführt. Nach Abschluss der Therapie untersuchte ein Psychologe, der nicht in die Therapie eingebunden war, die Patienten und erhob klinische Daten in Bezug auf Symptome für Schizophrenie (Positive and Negative Syncrome Scale PANSS), Sozialverhalten (Living Skills Profile LSP) sowie selbst empfundene Lebensqualität (Brief World Health Organization Quality of Life Assessment).

Beide Patientengruppen zeigten eine deutliche Verbesserung der positiven und negativen Schizophreniesymptome gemessen an dem PANSS-Wert. Die Patienten, die unter Anwesenheit des Hundes therapiert wurden, zeigten zudem eine deutliche Verbesserung im Sozialverhalten und schätzten ihre Lebensqualität nach Abschluss der Therapie persönlich besser ein.Besonders hervorzuheben ist, dass sich bei der Therapiegruppe mit Hund die Negativsymptome der Schizophrenie (z. B. Depressionen, Einschränkung der Motorik und Sprachfähigkeit) deutlich verbesserten, da eine medikamentöse Behandlung der Schizophrenie häufig besser auf die Positivsymptome (z. B. Halluzinationen, Verfolgungswahn) wirkt.

Das Ergebnis der Studie untermauert die Annahme, dass Hundegestützte Therapie auch bei der Behandlung von Schizophrenie-Patienten Erfolge erzielt. Dabei ist zu bedenken, dass Schizophrenie sehr vielschichtige Ausprägungen und auch Phasen hat, sodass ein Einsatz der Tiergestützten Therapie immer individuell geprüft werden sollte.

Kontakt:
Victòria Villalta-Gil, Saint John of God`s Research and Teaching Foundation
E-Mail: vvillalta@remove-this.sjd-ssm.com
Anthrozoös 2/2009, S. 149-159