Beitrag Mensch&Tier

Donnerstag, 07. Januar 2016

Sabine Bauer, Diplom-Sozialpädagogin und ausgebildete Systemische Therapeutin, arbeitet bereits seit den Siebzigerjahren mit verschiedenen Tieren. Seit 2003 setzt sie im Fach- und Weiterbildungszentrum für Systemische Tiergestützte Therapie „Fabelhof“ auch Hühner ein. Warum das Federvieh ihrer Meinung nach bestens geeignet für tiergestützte Interventionen ist, hat sie Mensch & Tier erzählt.

 

Frau Bauer, warum setzen Sie Hühner ein?


Hühner sind nach meiner Erfahrung ideale Tiere für die tiergestützte Arbeit. Man kann sie sowohl draußen im Freien als auch bei der Arbeit drinnen einsetzen. Zudem sind Hühner Menschen sehr zugewandt. Im Gegensatz zu anderen Tieren muss man sie nicht erst an die Zusammenarbeit mit Menschen gewöhnen. Im Gegenteil: Sie lassen sich von klein auf gern anfassen und fühlen sich gut an. Sie sind flauschig, haben weiche Federn und wirken beruhigend.


Welche Effekte beobachten Sie?


Hühner können sich sehr gut entspannen und übertragen diese Entspannung auf Menschen. So können sie beispielsweise sehr gut mit bewegungsunruhigen Demenzkranken umgehen. Meine Hühner habe ich auch in der Arbeit mit sprachlosen Demenzkranken in geschlossenen Abteilungen mit hoher Weglauftendenz eingesetzt. Die Resonanz war sehr gut. Die Bewohner wurden wacher, kommunikativer und haben die Tiere auch wieder erkannt. Auch wenn einige der Klienten nicht sprechen konnten, haben sie mit den Tieren beispielsweise über Klanglaute kommuniziert. Mitarbeiter der Heime berichteten, dass die Bewohner nach dem Besuch der Hühner weniger Schlafmittel brauchten, dass sich ihre Stimmung gehoben hat und dass das Wohlbefinden der Demenzkranken längerfristig eindeutig besser war.


Wie geht es den Hühnern dabei?


Den Tieren bekommen unsere Aktivitäten sichtlich gut. Ich setze sie nach dem Motto „Schöner wohnen mit Halbtagsjob“ ein. Das heißt, dass sie niemals täglich im Einsatz sind, denn Tiere können genauso ausbrennen wie Menschen. Daher ist es sehr wichtig, ihr Wohlbefinden im Auge zu behalten. Auch Hühner brauchen eine Bezugsperson, die ihnen Vertrauen und Sicherheit gibt.

Foto: Sabine Bauer

Kontakt:
Fabelhof
Sabine Bauer
Bahnhofstr. 40
86807 Buchloe
Tel.: 08241 918 4322
fabelhof@gmx.de