BuchtippTierisch beste Freunde

Lange Zeit waren Hunde auch als Transportmittel gefragt. Dieses Fot eines Hundegespanns wurde 1915 in Belgien aufgenommen. Foto: Schattauer-Verlag

Donnerstag, 05. Juli 2018

Der Mensch mag den Hund geprägt haben – doch der Hund auch den Menschen. In „Tierisch beste Freunde“ erfährt der Leser Erstaunliches über eine uralte Wechselbeziehung.

Vermutlich bildeten Mensch und Hund zu Beginn ihrer über 30.000 Jahre alten Freundschaft Jagdgemeinschaften, schreiben die Autoren Christoph Jung und Daniela Pörtl. Bald darauf dürfte dem Hund auch die Rolle des Wächters und des Beschützers zugefallen sein, führen die Autoren weiter aus. Und weil der Mensch Ochse, Pferd und Rentier erst 20.000 Jahre später domestizierte, hätten Hunde dem Menschen wohl auch früh schon als Transportmittel gedient sowie als lebende „Wärmflasche“ in kalten Nächten – oder auch als Nahrung in schlechten Zeiten. Unzählige weitere Aufgaben sollten in den kommenden Jahrtausenden hinzukommen, darunter hoch komplexe Tätigkeiten, wie sie etwa Assistenzhunde ausführen. Mit keinem anderen Tier habe der Mensch jemals in solch vielfältiger Weise zusammengearbeitet wie mit dem Hund. Pörtl und Jung verstehen es, die lange Geschichte der Beziehung des Menschen zum Hund so anschaulich wie präzise auszubreiten und die Logik hinter den Entwicklungen aufzuzeigen.

Dafür beschreiben die Autoren zunächst die Entwicklung des Wolfes durch den Einfluss des Menschen, um im weiteren Verlauf des Buchs einen faszinierenden Perspektivwechsel zu vollziehen. So geht es spätestens in dem Kapitel „Der Anteil des Hundes an der Menschwerdung des Affen“ nicht länger allein um die Frage, wie der Mensch die Entwicklung welches Tiers beeinflusst hat. Vielmehr wird nun deutlich, dass die Evolution grundsätzlich Wechselbeziehungen beschreibt – und dass sich im Zuge des Domestizierungsprozesses nicht allein das Tier, sondern mit der Zeit auch der Mensch verändert hat. Der Homo sapiens, wie wir ihn heute kennen, wäre ohne die Einflüsse der Tiere nicht denkbar, schon gar nicht ohne jene des Wolfs und des Hunds. Diese Quintessenz arbeiten die Autoren beispielhaft heraus. Somit hält „Tierisch beste Freunde“ in beeindruckender Weise, was der Klappentext verspricht: dass es sich nämlich um „ein Buch über Hunde – und vor allem über Menschen“ handele.

Christoph Jung und Daniela Pörtl: Tierisch beste Freunde. Mensch und Hund – von Streicheln, Stress und Oxytocin l Schattauer-Verlag l 282 Seiten l 19,99 Euro l ISBN 978-3-86739-111-5