Albert-Heim-Stiftung Kongress: „Der Hund: gestern-heute-morgen“

Mittwoch, 04. November 2009

Anlässlich ihres 125jährigen Bestehens veranstaltete die Albert-Heim-Stiftung der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft im November 2008 einen wissenschaftlichen Kongress zum Thema „Der Hund: gestern-heute-morgen“. Bereits in der letzten Ausgabe der Mensch&Tier stellten wir Ihnen einige der Vorträge vor.

Dr. D. Feddersen-Petersen (Kiel) vertrat begründet und mit Nachdruck die Forderung nach mehr ethologischer Forschung am Haushund als Korrektur zunehmender Vermenschlichung der Mensch-Hund-Beziehung.
Die zentrale Problematik der Mensch-Hund-Beziehung beginnt für die Ethologin schon damit, dass Hundehalter nicht systematische Beobachter tierischen Verhaltens sind, sondern subjektiv Wahrgenommenes unmittelbar psychologisch begründen und erklären; man glaubt naiv, Erlebnislagen, Befindlichkeiten und Absichten eines Hundes wahrnehmen zu können. Vergessen wird, dass die Ethologie eine naturwissenschaftliche Disziplin ist, die biologisches Arbeiten und Denken erfordert. – Dr. F. S. Boretti (Zürich) berichtete von der im Klimawandel begründeten zunehmenden Ausbreitung von Krankheitserregern bei Hunden im mitteleuropäischen Bereich; hervorgehoben werden die Auwald- oder Buntzecke als Auslöser der Babesiose und die Sand- oder Schmetterlingsmücke als Erreger der Leishmaniose. Die berichteten exemplarischen Krankheitsgeschichten belegen den hohen Schwierigkeitsgrad der Diagnose bei vielfach nicht hinreichender Kenntnis der Krankheitsbilder auf Seiten der Tierärzte, aber auch den Schweregrad solcher Erkrankungen und die Grenzen der Therapie. –
Prof. Dr. Leeb (Bern) hat sich in seinem vor allem für Züchter und Tierärzte informativen und aktuellen Vortrag mit dem Thema „Die Selektion von Zuchtlinien auf der Basis von Gentests“ beschäftigt.
Die erst in jüngster Zeit entwickelten artspezifischen Gentests haben es möglich gemacht, die Ursachen erblicher Merkmale bei Hunden „schnell und effizient aufzuklären“, und dies ist von unmittelbar praktischer Bedeutung für „die Selektionsentscheidungen in der Zucht“. – Prof. Dr.

R. Bergler (Bonn) hat in seinem abschließenden Vortrag „Die Gesellschaft und ihre Hunde: Beziehungsverhalten und Beziehungseffekte“ grundlegende Forschungsergebnisse behandelt: (1) Die Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Rückwirkung auf die Züchtung, Bedeutung, Haltung und Bewertung von Hunden. (2) Die soziale Positionierung des Hundes in der Gesellschaft (Selbstbild, Fremdbild, soziale Vorurteile, Psychologie des ersten Eindrucks: Mensch mit bzw. ohne Hund). (3) Die Differentialdiagnose der Mensch-Hund-Beziehung als Basis einer Typologie der Hundehalter (Dr. Wechsung); erst diese ist imstande, die individuell unterschiedliche Beziehungsqualität und das individuelle Beziehungsverhalten zu beschreiben, zu erklären und dann auch die ganz entscheidende Frage zu beantworten: Bei welchem Typ überhaupt die psychologischen Voraussetzungen für eine nachweisbare psychologische, pädagogische, präventive und therapeutische „Wirkung“ eines Hundes gegeben sind.

Weitere Informationen
zur Albert-Heim Stiftung und der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft finden Sie unter:
www.albert-heim-stiftung.ch
www.hundeweb.org