Studie aus DeutschlandHunde helfen beim Entzug

Flanieren mit Lotta: Die Golden-Retriever-Hündin leistet ihren Beitrag zum Drogenentzug in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Evengelischen Klinikums Bethel. Foto: Bodelschwinghsche Stiftung Bethel

Montag, 26. März 2018

Hunde sind nicht nur virtuose Rauschgift-Schnüffler. Sie können Drogenabhängigen auch den Entzug erleichtern. Diesen Schluss legt eine Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld nahe.

Das Forscherteam um die Gesundheitsmanagerin Sabine Urban, die Psychologen Lorenz B. Dehn und Thomas Beblo, den Mediziner Martin Diessen und den psychiatrischen Fachkrankenpfleger Björn Zillmer wollte wissen, ob substanzabhängige Menschen im stationären Drogenentzug von einer tiergestützten Einzeltherapie profitieren können. Zwölf weibliche und 14 männliche opiatabhängige Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren wirkten bei der Studie freiwillig mit, allesamt Patienten einer geschlossen geführten Drogenentzugsstation mit einem interdisziplinären Behandlungsangebot. Die Forscher teilten die Probanden nach einem standardisierten Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf.

In der ersten Woche ging jeder einzelne Proband der Gruppe A an drei Terminen mit der Therapiebegleithündin Lotta und ihrem Besitzer, einem psychiatrischen Fachkrankenpfleger, spazieren. Während dieser 30 Minuten durfte der Patient das Tier auf Wunsch an der Leine führen, streicheln und mit ihm spielen. Auch die Probanden der Gruppe B gingen in diesem Zeitraum an drei Terminen 30 Minuten spazieren, allerdings ohne den Hund. In der zweiten Woche tauschten die beiden Gruppen die Rollen. Nun ging jeder einzelne Proband der Gruppe B drei Mal mit Lotta und ihrem Besitzer Gassi, wohingegen die Probanden der Gruppe A in dieser Woche bei ihren drei Spaziergängen auf den Hund verzichten mussten.

Vor und nach allen Spaziergängen untersuchten die Wissenschaftler den Suchtdruck, die Stimmung sowie die grundsätzliche Befindlichkeit der Patienten mithilfe von Fragebögen.  Die Forscher verglichen anschließend die Werte der beiden Gruppen. Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Die Spaziergänge mit dem Hund konnten zugleich den Suchtdruck der Patienten mindern und ihre Grundstimmung aufhellen.

In der Fachzeitschrift „Sucht“ des Hogrefe-Verlags, in der die Studie veröffentlicht wurde, schreibt das Forscherteam daher von „zumindest kurzfristig förderlichen Effekten auf Patienten im stationären Drogenentzug“, welche hundegestützte Therapiemaßnahmen bewirken könnten. Sie sehen jedoch auch weiteren Forschungsbedarf zur Wirkung tiergestützter Interventionen in der Suchttherapie.

Evangelisches Klinikum Bethel l Psychiatrie und Psychotherapie l Sabine Urban l sabine.urban@remove-this.evkb.de