Gastgeber der IAHAIO-Konferenz Heimtierhaltung in Schweden

Donnerstag, 24. Juni 2010

Vom 1. bis zum 4. Juli 2010 findet in Stockholm die inzwischen 12. IAHAIO-Konferenz statt. Anlass für Mensch&Tier, die Situation der Heimtierhaltung und den Stand der Mensch-Tier-Forschung in Schweden vorzustellen.

Heimtiere als Familienmitglieder

Die schwedische Organisation Manimalis, Mitglied in der IAHAIO, untersucht regelmäßig die Situation der Heimtierhaltung und veröffentlicht die Ergebnisse im „Manimalis Report“. Demnach leben in etwa einem Viertel aller schwedischen Haushalte ein Hund oder eine Katze. Insgesamt gibt es in Schweden ca. 3,6 Mio. Heimtiere, davon sind ca. 1,6 Mio. Katzen und ca. 1 Mio. Hunde. Laut Aussage der Manimalis-Vorsitzenden Ulla Björnehammer betrachten 98 Prozent aller für den Report befragten Heimtierhalter ihre Tiere als Familienmitglied. Diese positive Einstellung zu Heimtieren wird auch als Grund dafür gesehen, dass eine Vielzahl der Tiere in Schweden von ihren Besitzern krankenversichert ist; dies trifft auf 80 Prozent aller Hunde und insgesamt 40 Prozent aller Heimtiere in Schweden zu. Weltweit ist dies der höchste Prozentsatz versicherter Tiere.

Die veterinärmedizinische Versorgung wird von Heimtierhaltern als genauso gut und wichtig erachtet wie das Gesundheitssystem für Menschen. Damit einher geht eine sehr gute Versorgung durch 20 große Tierkliniken und 300 spezialisierte Tierärzte (von insgesamt ca. 2.500 Tierärzten).

Die positive Einstellung der Schweden zu ihren Tieren zeigt sich auch in der ausgeprägten Sensibilität für alle Fragen des Tierschutzes. Mit seiner Gesetzgebung zum Tierschutz nimmt Schweden weltweit eine Vorreiter-Rolle ein. Das Grundprinzip hinter allen Gesetzen ist, dass Tiere in einer passenden Umgebung gehalten werden sollen, die ihr Wohlbefinden unterstützt und ihnen die Möglichkeit gibt, ein möglichst natürliches Leben zu führen. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Nagetiere nur mindestens zu zweit gehalten werden dürfen, oder dass Aquarien so eingerichtet werden müssen, dass sie dem natürlichen Lebensraum der gehaltenen Fische so nahe wie möglich kommen. Entsprechende Schutzgesetze gibt es auch für die Haltung von Hunden, Katzen und Pferden. Im Vergleich dazu trifft auch das deutsche Tierschutzgesetz Aussagen zur artgerechten Unterbringung von Heimtieren – ist dabei aber nicht derart konkret und weitreichend wie die schwedische Gesetzgebung.

Heimtierhaltung und Gesundheitsaspekte

Bereits bei der IAHAIO-Vor-Konferenz in 2009 stand der positive Einfluss von Heimtieren auf die Gesundheit im Mittelpunkt des Interesses (siehe Mensch&Tier 02/2009). Eine im Scandinavian Journal of Public Health (Ausgabe 01/2010) veröffentlichte Studie untersuchte die Unterschiede im Hinblick auf die Gesundheit von Tierhaltern und Nicht-Tierhaltern.

Dazu werteten die Wissenschaftler um Maria Mullersdorf von der Malardalen University, Schweden, Daten von ca. 40.000 Schweden aus – etwa ein Drittel davon waren Tierhalter. Die Informationen über Tierhaltung wurden in Verbindung gebracht mit medizinischen Daten (z. B. über diagnostizierte psychische Erkrankungen, aber auch physische Beschwerden wie Nackenverspannungen), Angaben zum Freizeitverhalten und sozio-demografischen Daten.

Im Vergleich mit den Nicht-Tierhaltern zeigten Tierhalter positivere Werte in Verbindung mit dem gesundheitlichen Allgemeinzustand.. Dies kann damit begründet werden, dass Tierhalter aktiver als Nicht-Tierhalter waren. Tierhalter zeigten in Hinblick auf ihre Freizeitaktivitäten z. B. ein größeres Interesse an Natur- und / oder Garten-Aktivitäten.

Die Rolle von Heimtieren im Gesundheitssystem und die Auswirkung von Tieren auf physische und psychische Gesundheitsaspekte werden eines der Hauptthemen der diesjährigen IAHAIO-Konferenz sein.

Kontakt:
Maria Mullersdorf, Malardalen Universität, Schweden
E-Mail: maria.mullersdorf@remove-this.mdh.se