Studie aus Österreich„Frauen mit exotischen Tieren sind offener für Neues“

Wunderschön anzusehen und ebenso facettenreich wie die Menschen, die exotische Tierarten lieben: ein Chamäleon. Foto: Pixabay.com

Dienstag, 01. August 2017

Schildkröten, Schlangen, Spinnen und andere Terrarientiere üben ihre ganz eigene Faszination auf Menschen aus: In Deutschland gibt es laut dem Industrieverband Heimtierbedarf e.V. rund 700.000 Terrarien mit exotischen Bewohnern. Was die Persönlichkeit von Exotenhaltern ausmacht, haben Prof. Dr. Andreas Hergovich und sein Team von der Universität Wien in einer Studie mit 250 Teilnehmern (veröffentlicht in „Anthrozoös“ 24, 2011) untersucht. Mensch & Tier hat mit dem Psychologen über die Ergebnisse gesprochen. 

Mensch & Tier: Was für Persönlichkeiten halten gern exotische Tierarten?  

Prof. Dr. Andreas Hergovich: Generell lässt sich das schwer beantworten. Man muss dabei nach dem Geschlecht differenzieren. So haben wir herausgefunden, dass Frauen mit exotischen Tieren wie Reptilien oder Spinnen offener sind für neue Erfahrungen, neugieriger und weniger konservativ als Halterinnen von kleinen Säugetieren wie Hamster oder Meerschweinchen. 

Und wie unterscheiden sich männliche und weibliche Exotenhalter?

Frauen mit exotischen Tieren sind im Durchschnitt umgänglicher und freundlicher als ihre männlichen Pendants. Männer mit exotischen Tieren sind relativ wenig offen für neue Erfahrungen und eher weniger umgänglich als ihre Zeitgenossen, die einen Hund oder eine Katze haben oder auch im Vergleich zu denen, die kein Tier besitzen.

Gibt es dafür psychologische Erklärungsmodelle?

Da kann man nur spekulieren. Möglicherweise suchen sich Menschen ihre Tiere danach aus, wie ihre eigene Persönlichkeit ist. Für die Frauen würde das bedeuten: Ich bin selbst offen für Neues und suche mir daher ein Tier, das ausgefallen ist und insofern gut zu meiner Persönlichkeit passt. Für die Männer: Ich bin selbst ein eigenwilliger, leicht reizbarer Typ und suche mir auch ein Tier, das dazu passt - ein Tier wie eine Spinne oder eine Giftschlange drückt das gut aus. Warum bei Frauen die Offenheit und bei Männern die niedrige Verträglichkeit die Faktoren sind, die die Tierauswahl beeinflussen, wissen wir nicht. Andererseits kann man auch nicht ausschließen, dass, wenn man lange ein oder mehrere Tiere besitzt, etwas von der zugeschriebenen Natur des Tieres auf den Besitzer abfärbt.

Wie sind Sie zu diesen Erkenntnissen gekommen?

Wir haben Fragebögen ausgegeben und einerseits danach gefragt, welche Tiere gehalten werden und wir haben andererseits einen standardisierten Persönlichkeitsfragebogen vorgegeben, der die Persönlichkeit der Tierhalter erfasste. Das kann man natürlich auch kritisieren, die Persönlichkeitseinschätzungen beruhen ja auf Selbstbeurteilungen.

Kontakt: Universität Wien l Fakultät für Psychologie l Prof. Dr. Andreas Hergovich l andreas.hergovich@remove-this.univie.ac.at