Studie aus den USAEin Rettungshund erschnüffelt Schilddrüsenkrebs

Dienstag, 18. Oktober 2016

Schäferhund Frankie beeindruckt Endokrinologen weltweit mit seiner Treffsicherheit beim Erschnüffeln von Schilddrüsenkarzinomen.

Vor fünf Jahren war Frankie ein abgemagerter und verfilzter Streuner, der sich auf dem Parkplatz eines Einkaufscenters im US-Staat Arkansas herumtrieb. Aus Mitleid nahmen der Endokrinologe Prof. Dr. Arny Ferrando und seine Frau den Streuner mit und gaben ihm ein Zuhause, wie der Professor dem Magazin „Endocrine News“ beschrieb.

Heute ist Frankie der meistbewunderte Hund der Endokrinologen-Szene. Beim Fachkongress in San Diego Ende 2015 stellte Frankies Herrchen nämlich die erstaunlichen Ergebnisse einer Pilotstudie vor, die er mit seinem eigenen Hund unternommen hatte: Da der Schäferhund Arny Ferrando täglich an seinen Arbeitsplatz am Center for Translational Research in Aging und Longevity an der University of Arkansas for Medical Sciences begleitete, trainierte der Wissenschaftler das Tier für seine eigenen Forschungszwecke. Dabei kam ihm zugute, dass er den Schäferhund bereits vor Jahren als Rettungshund ausgebildet hatte und Frankie das Anzeigen und Verfolgen bestimmter Gerüche beherrschte.

Das funktionierte nun auch im Labor: Bei einem Test mit Urinproben von betroffenen Patienten war Frankie in der Lage zu erschnüffeln, ob ein Schilddrüsenkarzinom vorlag oder nicht. Dafür wurde der Hund darauf trainiert, den Geruch von Tumoren zu erkennen und sich hinzulegen, um einen Fund anzuzeigen. Enthielt die Urinprobe die Duftstoffe des Tumors nicht, so wandte der Hund sich einfach ab.

Bei 30 von 34 Proben schnüffelte der Schäferhund richtig – das entspricht einer Treffsicherheit von 88 Prozent und somit fast der Genauigkeit einer Feinnadelbiopsie, die üblicherweise einer operativen Entfernung des Tumors vorangeht. „Der Einsatz von Spürhunden wie Frankie könnte Großes in der Welt der Medizin bewirken, da er Patienten vor unbequemen und teuren diagnostischen Tests bewahren könnte“, sagte Ferrando den „Endocrine News“.

In den vergangenen Jahren haben Hunde bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, weil sie zuverlässig Krebsgeschwüre im Darm, in der Lunge und in der Brust erschnüffelt haben. Ein Rountine-Einsatz von Vierbeinern im Labor ist jedoch unrealistisch, da Ausbildung und Tests viel Zeit und Geld verschlingen. Alternativ soll nun daran geforscht werden, an welchen Duftstoffen die Hunde Krebs erkennen, sodass die feine Spürnase durch technologische Hilfsmittel ersetzt werden kann.

Fotos: © Arny Ferrando

Kontakt:
University of Arkansas for Medical Sciences (UAMS)
Center for Translational Research in Aging und Longevity
Prof. Dr. Arny Ferrando
aferrando@remove-this.uams.edu