Studie aus EnglandDer Mythos vom menschlichen Dosenöffner

Der Mensch ist für seine Katze eine wichtige Bezugsperson. Foto: iStock-168282777

Montag, 23. Oktober 2017

Viele Tierhalter schätzen an ihrer Katze das anschmiegsame, aber autonome Wesen. Unabhängig von der menschlichen Gefühlswelt sind die Tiere allerdings keineswegs, wie eine Studie aus Großbritannien zeigt.

 

Katzen leben seit etwa 10.000 Jahren mit Menschen zusammen. In all der Zeit haben sie einen Ruf als zwar soziale, aber selbstgenügsame und stolze Tiere erlangt, die den Menschen bestenfalls als Dosenöffner benötigen. Dass dies nicht stimmt, belegt eine Studie der britischen University of Lincoln: „Unser Ziel war festzustellen, ob Katzen emotionale Informationen ihrer Besitzer aufgreifen und ihr eigenes Verhalten daran ausrichten“, schreibt Dr. Isabella Merola in der Fachpublikation „Animal Cognition“. „In den vergangenen Jahren gab es eine zunehmende Zahl an Studien, die sozialkognitive Fähigkeiten von domestizierten Tierarten wie Hunden, Pferden, Schweinen und Ziegen untersucht haben – mit der Hypothese, dass die Domestizierung bei einigen Tierarten zu veränderten verhaltensbiologischen und kognitiven Fähigkeiten geführt hat, die eine effektivere Kommunikation mit Menschen ermöglichen. Nur sehr wenige Studien haben aber die Kommunikation zwischen Katze und Mensch untersucht.“

 

Deshalb baten die Forscher 24 Tierhalter mit freundlichen Hauskatzen, sich in einem Testlabor einer Verhaltensprüfung zu unterziehen. Der Raum war leer bis auf einen Ventilator, an dem grüne Plastikbänder flatterten. Eine Hälfte der Probanden betrat den Raum mitsamt Katze und zeigte nach einer neutralen Phase eine positive Reaktion auf den Ventilator – ging also darauf zu, lächelte und sprach fröhlich. Die andere Hälfte imitierte nach der neutralen Phase Angst und Ablehnung. Anschließend werteten die Wissenschaftler Blicke, Aktivitäten, Körperhaltung sowie Stress- und Stimmsignale der Katzen aus.

 

Die Analyse zeigte, dass die Katzen stark auf die Gefühlslage ihres Menschen reagierten. Der Großteil der Tiere suchte bereits in der neutralen Phase per Blickkontakt Bestätigung bei den Probanden. „79 Prozent der Katzen blickten zwischen ihrem Besitzer und dem Objekt hin und her und passten ihr Verhalten an die emotionale Botschaft an, die der Mensch ausstrahlte“, fassen die Wissenschaftler zusammen. Besonders die Katzen, deren Menschen Angst mimten, blickten häufig zwischen dem Ventilator und der Person hin und her und begannen unruhig auf und ab zu laufen, während die Katzen der Kontrollgruppe ruhig blieben.

 

 

Kontakt: University of Lincoln l School of Life Sciences l Dr. Isabella Merola l imerola@remove-this.lincoln.ac.uk