Bayern„Bienen fördern Inklusion und Frustrationstoleranz“

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Seit 2013 schwirrt und summt es im niederbayerischen Bezirksklinikum Mainkofen: Gerti Zitzelsberger versorgt gemeinsam mit ihren Patienten zwei Bienenvölker. Sie arbeitet seit 27 Jahren als Krankenschwester und hat Mensch & Tier verraten, welche stichhaltigen Argumente es für die Bienenhaltung im Krankenhaus gibt.  

Mensch & Tier: Frau Zitzelsberger, wie kommt eine Krankenschwester dazu, mit Bienen zu arbeiten –  noch dazu eine Schwester, die zuvor gar nichts mit tiergestützten Interventionen zu tun hatte?  

Gerti Zitzelsberger: Es gibt in unserer Klinik ein Mitteilungsblatt. Darin las ich Anfang 2013 einen Aufruf: Wer hat Lust zu imkern? Daraufhin haben sich eine Kollegin und ich spontan gemeldet. Die Stationsleitung war sofort einverstanden. Zumal wir von Beginn an interessierte Patienten der Forensischen Klinik eingebunden haben. 

Um was für Patienten handelt es sich überwiegend?

Es handelt sich bei den Teilnehmern des Projekts um psychisch kranke Menschen, die aufgrund ihrer Krankheit straffällig geworden sind, beispielsweise um drogensüchtige Patienten. Die Arbeit mit den Bienen dient ihnen als Beschäftigungstherapie zur Förderung einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Durch unsere Mitgliedschaft im Imkerverein knüpfen die Patienten zudem wie von selbst Kontakte nach draußen, zur Welt außerhalb der Klinik. Der Inklusionsfaktor ist also hoch. Da man aber neben den Erfolgen bei der Honigernte auch immer wieder Misserfolge wegstecken muss, etwa durch Stiche, wird auch die Frustrationstoleranz gestärkt.

Ist das nicht gefährlich?

Es ist tatsächlich so, dass das Risiko, gestochen zu werden, dazu motiviert, sorgfältig vorzugehen, es richtig zu machen. Man muss sehr ruhig arbeiten, muss sich voll und ganz auf das Bienenvolk konzentrieren. Wer angespannt ist, sollte besser nicht mit Bienen arbeiten. Allerdings haben wir zwei sehr ruhige Völker, die auch Fehler verzeihen.

Wie kommt das Projekt bei den Patienten an?

Hervorragend. Die Nachfrage ist jedes Jahr so groß, dass wir das Projekt immer wieder neu auflegen. Von ehemaligen Patienten hören wir immer wieder, dass sie die Natur aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Bienenprojekt heute viel sensibler und interessierter wahrnehmen als zuvor. Einige betätigen sich sogar weiterhin als Hobbyimker.

Kontakt: Bezirksklinikum Mainkofen l Fachkreis Tiergestützte Interventionen l Silke Lederbogen l 94469 Deggendorf l 09931 87 21520 l TGI@remove-this.mainkofen.de